Autor Dieter R. Fuchs über Recherche, Kurzversdichtung und Leichte Sprache

BeraTina-Interview mit Autor Dieter R.fuchs über Hannya Im Bann der Dämonin und Netsuke

Für das heutige BeraTina-Interview konnte ich den Autor Dieter R. Fuchs gewinnen.

Sein neues Buch „Hannya – im Bann der Dämonin“ (Mehr Infos am Ende des Beitrags) stürmt aktuell die Buchcharts.

Das Beitragsbild zeigt Cover  und eine Netsuke-Schnitzerei, die in der Geschichte eine entscheidende Rolle spielt.

Wie auch in seinem ersten Roman „Der Tanz der Häsin“ gestaltet Dieter R. Fuchs in „Hannya – Im Bann der Dämonin“ aus seinem Wissen über kulturhistorische Zusammenhänge eine die Leser begeisternde und lehrreiche Fantasygeschichte zwischen jahrhundertealter japanischer Tradition und dem Heute.

Ich hätte tausend und eine Fragen, aber für heute werde ich es bei den wenigen hier belassen.

BeraTina-Interview mit Autor D.R.Fuchs über Hannya - Im Bann der Dämonen und Recherche und Kurzversdichtung und Japan.Dieter, herzlich willkommen bei BeraTina und vielen Dank, dass Du dir Zeit für meine Fragen nimmst.

Als Leser lerne ich in Deinem Buch Japan von einer mir bisher eher unbekannten, spirituellen Seite kennen. Ich habe mir kürzlich den Podcast zur Lesung von „Hannya – Im Bann der Dämonin“ >Link am Ende des Beitrags< angehört. Da sprichst Du von circa 1000 Seiten Recherche-Notizen, die Du später (gewollt) auf 300 Seiten Romangeschichte geschrumpft hast.

Was treibt dich an, derart intensiv zu recherchieren? Aufgrund deines Lebenslaufs verfügst du doch bereits über eine großes Vorwissen, das Du in die Geschichten einbringen kannst.

Danke, liebe Martina, ich freue mich auch, dieses Interview mit dir führen zu dürfen!
Zum tatsächlich sehr großen Recherche-Aufwand für die „Hannya“ muss ich gestehen, dass ich vorher recht wenig Detailkenntnis zur mittelalterlichen Geschichte und insbesondere zur frühen kulturhistorischen Entwicklung in Japan hatte. Meine Kenntnisse waren dort, trotz zahlreicher beruflicher Aufenthalte in Japan, bislang eher auf die Zeit ab dem 17. Jahrhundert fokussiert. Und auch bei den religiösen Strömungen kannte ich mich mehr im Buddhismus aus, aber weniger im Shintō-Kult. Da ich mit diesem „magischen“ Historischen Roman aber die Leser gerade mit den älteren mythologischen Wurzeln jener Gedankenwelt und Lebenswirklichkeit der Menschen bekannt machen wollte, die für die Themen und Gestalten der Volkskunst, insbesondere der Netsuke-Schnitzereien, prägend waren, hieß es erst einmal vier Monate kräftig zu recherchieren und Quellenstudien zu betreiben – es musste sein!

Mir geht es manchmal so, dass ich mich bei der Recherche so durchs Netz klicke und statt bei „wichtige Punkte für den Online-Auftritt“ bei „Heute noch kaufen: Neue Schuhtrends Online“ lande. Sind diese 1000 Seiten Recherche-Notizen auch dem ein oder anderen Irrweg geschuldet?

Oh, sowas kommt auch bei mir vor, wenn ich ganz entspannt und privat im Netz stöbere! Aber bei Recherchen für ein konkretes Thema (und festem Zeitplan bis zur geplanten Fertigstellung eines Buch-Manuskripts) bringe ich zum Glück ziemlich viel Disziplin mit und lasse mich selten ablenken. Da muss wohl mein „früheres“ Leben als Wissenschaftler nachwirken. Hinzu kommt, dass im konkreten Fall der „Hannya“ die Online-Recherchen oft nicht tief genug führten – zumindest hatten mich jene Infos nicht ganz befriedigt, die ich dort fand. Ich habe also weitaus mehr in Bibliotheken und Fachbüchern gewühlt, oft in nur noch antiquarisch verfügbaren Werken und auch in „grauer Literatur“, also wissenschaftlichen Fachartikeln, die man eigentlich nur über Spezialrecherchen findet.

Archivierst Du Deine Rechercheergebnisse in einer besonderen Form?

BeraTina-Interview mit D.R.Fuchs über Recherche und das Archivieren von Ergebnissen

Ich hatte früher alle Online-Befunde und Links unter Microsoft Office in OneNote abgespeichert. Inzwischen bin ich auf eine normale „Sammeldatei“ umgestiegen, da ich auch meine Software gewechselt habe. Dort halte ich auch Fotos (mit dem Handy gemacht) von wichtigen Textstellen fest. Die Buchrecherchen übertrage ich meistens stichwortartig und handschriftlich (also ganz Old-School ) in eine große, dicke Kladde, die ich mir immer für jedes Projekt anlege. Dort landen auch alle spontanen Ideen, erste Skizzen für den Plot, kurz alles, was ich später für die Manuskript-Erstellung vielleicht gebrauchen könnte. Längere Fachtextpassagen kopiere ich mir natürlich und hefte sie ganz klassisch ab. Dieses Procedere hat sich für mich als optimal erwiesen, irgendwie bin ich so kreativer. Außerdem genieße ich bei der Schreibarbeit das „Wühlen“ in Papier. Nur am Bildschirm zu werkeln wäre mir zu einseitig.

Japan ist Dein großes Thema. Dazu passt auch Deine Freude daran, Haikus zu schreiben ( die ich übrigens mit Dir teile). Die japanische Kurzversdichtung kennt ja noch mehr Spielarten. Bedienst Du  die auch? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nur Haiku?

Du hast das ganz richtig ausgedrückt: Ich habe Freude an Haiku, versuche mich sehr gerne in dieser Kurzdichtung. Aber ich halte mich ehrlich gesagt für einen reinen Amateur und genieße einfach (oft mit einem selbstironischen Schmunzeln) den Kick beim Versuch, einen flüchtigen Moment, ein Gefühl oder eine Naturstimmung in kürzester Form prägnant auszudrücken. Das ist für mich wie eine kleine „Auszeit“ vom belletristischen Schreiben. An längeren japanischen Formen, wie Tanka oder Renga, habe ich mich noch nie versucht.

Kürzlich hat der FDA – Freier Deutscher Autorenverband – eine Anthologie in Einfacher Sprache „Lesen ist … was immer Du willst“ herausgebracht. (Details am Ende des Interviews).
Wie ist Deine Haltung zu Einfacher Sprache? Kannst Du dir vorstellen, in der Zukunft einen Roman in Leichter oder Einfacher Sprache zu schreiben? Oder Deine Romane übersetzen zu lassen?

Das war wirklich ein wunderbares Projekt, an dem ich zusammen mit anderen Autoren sehr gerne mitgewirkt habe! Und ich habe sehr viel dabei gelernt. Ich finde es faszinierend, sich im Gegensatz zum üblichen Schreibstil sehr konzentriert auf eine Vereinfachung sowohl von Satzbau, Satzlänge als auch Wortwahl einzulassen. Da hat man manches Aha-Erlebnis – denn eine solche Übung muss mitnichten zu einem Verlust an literarischer Qualität führen. Dass mit Texten in diesem Stil dann Menschen, die funktionale Analphabeten oder andere Leseanfänger sind, eine Hilfestellung beim Lernen und der eine oder andere schöne Lesemoment beschert werden kann, macht diese Arbeit umso wertvoller. Und deshalb könnte ich mir gut vorstellen, auch künftig Kurzgeschichten für entsprechende Anthologien beizusteuern. An ganze Romane denke ich da weniger, da ich mir nicht sicher bin, ob mein doch recht komplexer Genre-Mix für solche Zwecke optimal geeignet wäre.

Herzlichen Dank, Dieter! Ich wiederhole mich hier gerne noch einmal: Ich hätte noch tausend und eine andere Fragen …

… aber für heute belasse ich es schweren Herzens bei dem Wunsch. Weiterhin viel Erfolg mit deinen Büchern. „Hannya – Im Bann der Dämonin“ und die Anthologie „Lesen ist … was immer Du willst“ liegen ganz oben auf meinem SuB  Stapel ungelesener Bücher 🙂 Meine Recherche im Vorfeld zu den Büchern und im besonderen der Kontakt jetzt zu Dir haben meine Neugier geweckt.

BeraTina - Interview mit D.R.Fuchs über seinen neuen Roman Hannya im Bann der Dämonin Der Klick aufs Cover führt zu Amazon

Wer Dieter R. Fuchs zuhören möchte: Hier geht es zum Podcast

Über Dr. Dieter R. Fuchs

Er recherchiert und schreibt mit der gleichen Leidenschaft, mit der er vier Jahrzehnte lang als Naturwissenschaftler und Forschungs-Manager tätig war. Bei seiner Arbeit in Materialentwicklung, Umweltforschung und Kulturgüterschutz faszinierten ihn vor allem internationale Erfahrungen. Er wirkte an Expeditionen im Iran mit, lebte lange im Jemen sowie in Dubai und bereiste beruflich wie privat die ganze Welt. Die Begegnung mit Menschen unterschiedlichster kultureller Hintergründe bedeutet für ihn echte Bereicherung. Als Präsident des unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen gegründeten Weltdachverbandes der Angewandten Forschung WAITRO engagierte er sich ehrenamtlich für mehr Miteinander zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
Seit Eintritt in den Ruhestand widmet er sich dem Schreiben von Romanen. Hierbei spielt seine private Leidenschaft für asiatische Kunst eine besondere Rolle, vor allem Netsuke genannte japanische Schnitzereien sowie chinesische Toggles und Amulette. Seine mystischen Geschichten um diese kleinen Objekte laden den Leser auf Reisen in fremde Sphären und Zeiten ein. Bei solchen Grenzwanderungen treten fantastische Zusammenhänge hervor, die historisches, natur- und kunstwissenschaftliches Wissen vermitteln und darüber hinaus auf unterhaltsame Weise die Fantasie anrege

  • Beim Fabulus-Verlag erschien im September 2015 der Debut-Roman „Der Tanz der Häsin“.
  • Im Schwarzer-Drachen-Verlag dann im August 2017 sein historischer Roman über Japan „Hannya – im Bann der Dämonin“.
  • In 2018 werden der Urban Fantasy Thriller „Zhulong – ein Drache erwacht“ sowie
  • ab 2019 die drei Bände der Trilogie „Der Masanao-Adler“ folgen.
  • Außerdem erschienen Kurzgeschichten und Gedichte von ihm in verschiedenen Anthologien und Literatur-Journalen.
    (mit Genehmigung des Autoren der Buchbeschreibung entnommen)

Infos zur Anthologie

„Lesen ist …“ Literarische Texte in einfacher Sprache für erwachsene Leseanfänger,(Link führt zu Amazon)
Erster Impuls war ein Treffen zwischen FDA und Tim Thilo Fellner auf der Buchmesse Leipzig 2017. Fellner erzählte im Interview mit Literatur Radio Bayern von sich, der Alfa-Selbsthilfe und der Dekade zur Alphabetisierung und Grundbildung ausgerufen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung am 8.September 2015).

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