Autorengespräch mit Doris Elisabeth Gries

Im Beratina-Interview Doris Gries über Sternhagen und Galeristen

Der Autor ist ein Schöpfer

Autor ist laut Definition ein Verfasser von Text oder eines Buches. Autor hat seinen Ursprung in dem lateinischen Wort auctor, was so viel bedeutet wie Urheber oder Schöpfer.
Als Synonyme finden sich unter anderem: Dichter, Schreiber, Konzipient, Skribent, Verfasser.

Im BeraTina-Interview begrüße ich heute eine wirkliche Text-Schöpferin: Die Autorin Doris Elisabeth Gries.

Ihre Texte erzählen Geschichten aus dem Leben von heute und gestern. (Am Ende dieses Beitrags verlinke ich auf eine dieser wunderbaren Geschichten). Sie sind manchmal skuril, mal humorig, aber immer mit Gefühl.

Mitglied bei der Bad Kreuznacher Autorengruppe.

Seit Jahren sitzen wir gemeinsam bei den monatlichen Treffen am Tisch.
Seit Jahren bestreiten wir gemeinsam mit den anderen Eulenfedern Lesungen. 

Ich fand es an der Zeit, mal etwas mehr von Doris zu erfahren. Kurzer Hand habe ich sie zum BeraTina-Interview gebeten.

Hallo Doris! Ich freue mich, dass Du ja gesagt hast. Erzähl doch mal mir und den Lesern:Autorin Doris Elisabeth Gries im Beratina-Interview 

Wie lange schreibst du schon Geschichten?

Und was war der Auslöser, um mit dem Schreiben anzufangen?

Es gab wohl mehrere Auslöser. Der Drang, aufzuschreiben, was passierte, was ich hörte oder Geschichten zu erzählen, war unterschwellig schon früh vorhanden. Aber ein besonderer Auslöser war, dass ich im ehemaligen Pfarrhaus in Sternhagen in der Uckermark geboren bin und mit zwölf Jahren, zusammen mit den Eltern, meine Heimat verlassen musste.

Damals schrieb ich kleine Verse und begann wichtige Erlebnisse, die nicht verloren gehen durften, auf lose Blätter aufzuschreiben. So entstanden ersteTexte. Als ich diese meiner Familie vorlesen wollte, schienen sie allerdings damals niemanden zu interessieren.
Also versteckte ich die Blätter unter meiner Matratze. Auf einmal waren sie weg und blieben unauffindbar verschwunden.
Ich habe dann mit neunzehn geheiratet und war zwei Jahre später glückliche Mutter eines Sohnes und einer Tochter. Jetzt gab es Wichtigeres, als schreiben zu wollen. Als meine Kinder neun und zehn Jahre waren, begann ich im sozialen Bereich zu arbeiten.
Viele Jahre später, als ich wieder mehr Zeit hatte, suchte ich eine neue Herausforderung. Ich verfasste kurze Gedichte und “Die Schattenfrau“.
Ich schrieb über den Ort meiner Träume, so wie über den Rosengarten meiner Mutter. Aber nur für mich. Denn der Wunsch zu Schreiben war ja nie wirklich weggewesen.

In mir war immer ein stilles Sehnen nach Sternhagen.

BeraTina und Doris Gries im Gespräch

Doris E.Gries im Alter von 7 Jahren

Und eine Sehnsucht, Vergangenes auf keinen Fall dem Vergessen preiszugeben. Einige meiner Geschichten handeln von meiner ehemaligen Heimat: Zeit der Rosen“ oder “Der grüne See“ beispielsweise.
Ich schreibe Geschichten über Begegnungen und Abschied, Suchen und Finden. Aber auch Skurriles, wie in “Geheimnisvolle Augen“. Oder mit einer Prise Erotik, wie in Pariser Spitzen“.

Außerdem macht es mir ungeheuren Spaß, Figuren zu erfinden und sie zum Leben zu erwecken.

Veröffentlichungen und Literaturpreise

Ich weiß, dass Du das ein oder andere Mal erfolgreich an Literaturwettbewerben teilgenommen. Erzähl doch mal.

Gefreut habe ich mich über den zweiten Preis beim Dichterwettbewerb der Hospiz-Gesellschaft, vor einigen Jahren zum Thema Abschied. Die Geschichte heißt: “Komm! Bruder! Tanz mit mir!“ Dieser Preis war schon eine tolle Anerkennung.
Beim Lottokunstpreis habe ich auch mehrfach teilgenommen. Mein Text “Ich lernte tanzen“ wurde 2012 im Buch der Preisträger veröffentlicht. Erste wurde ich bei einem Poetry-Slam in Bad Münster am Stein – Ebernburg.
Daneben habe ich mehrere Kurzgeschichten im Leinpfad Verlag Ingelheim und in der IGdA – Aktuell, eine Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik veröffentlicht.
Außerdem mehrfach im Naheland – Kalender Bad Kreuznach.
Und in der Anthologie Leibspeisen Literarische Leckerbissen.
Eins meiner ersten Gedichte, “Die Schattenfrau“, erschien 2001 in der Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes.

Wie kommst Du im Allgemeinen zu Deinen Geschichten?

Ist da eine Idee im Kopf, die umgesetzt werden will?

Oder sind es Alltagsbegebenheiten, die Du in eine Geschichte packst?

Ja, fast immer ist da eine Idee, die umgesetzt werden will. Denn an Ideen mangelt es mir nicht. Beim Laufen oder beim Zugfahren bearbeite ich die Texte oft gedanklich. Ich schreibe auch über Alltagsbegebenheiten.
Im September 2017 haben mich Angela Sohler und Gabriele Brassard, Freundinnen aus unserer Autorengruppe, auf meiner Reise nach Sternhagen begleitet. Eine Suche nach der Vergangenheit, die für mich alles andere als vergangen ist. “Mein Dorf“ Sternhagen ist fast unberührt von der Zeit. Die Landschaft – Natur pur.

Ein Bild wie aus der Welt gefallen.

Alles so!“, sagte Angela, als wir zu dritt den See umwandert haben, „alles so, wie Du es in Deinen Geschichten beschrieben hast!“ Im Beratina-Interview Doris Gries über Sternhagen und Galeristen
Wunderschön ist er, der Sternhagener See. Die uralte Dorfkirche, in der noch immer ein selten schöner Taufengel über dem Altar hängt. Mein Geburtshaus, das Pfarrhaus, mit den drei Birken davor. Der Schlosspark, mit dem ehemaligen Schloss, das einst in Flammen gestanden hatte. Ein Teil dieses Gebäudes wurde von dem Feuer verschont.
Die Berliner Künstler Gudrun Gut und Thomas Fehlmann kauften es und ließen es liebevoll restaurieren.

Schreibst du erst einmal darauf los? Oder planst Du deine Geschichten im Vorfeld gedanklich?

Im Vorfeld plane ich fast nie. Ich denke schnell und schreibe munter drauf los. Und bin dann nie mit meinen Texten zufrieden. Dann muss ich die Texte zur Seite legen und mich später erneut mit ihnen beschäftigen. Das Schreiben ist mir wichtig, bedeutet zwar viel Arbeit, bereichert aber mein Leben.
Spannend sind immer die monatlichen Treffen unserer Autorengruppe und die gemeinsamen Lesungen. Zum einen, weil ich hier meist eine neue Geschichte vorstelle. Und zum anderen: Die Lesungen sind einfach wunderbar … wegen der Nähe zum Publikum.

Gibt es Pläne, vielleicht mal einen Roman zu schreiben?

Ja! Vielleicht! Mein Text “Unter Rasern“ würde sich durchaus für einen Roman eignen.
Mal schauen was die Zeit da bringt.

Lieblingsgeschichte – „Die Entgleisung“

Magst Du etwas zu der Geschichte „Die Entgleisung“ erzählen, die Du – herzlichen Dank auch dafür – hier zur Verfügung stellst?

Ich war vor vielen Jahren Gast auf einer Vernissage. Da ging es besonders um ein als unverkäuflich geltendes Bild, hinter dem der Galerist schon seit Jahren her war.
Seine Gier war den ganzen Abend unangenehm präsent und verfolgte mich tatsächlich bis in meine Träume in dieser Nacht. Ich träumte, zu welch einer verrückten Tat der versnobte Galerist fähig war. Nach diesem Traum entstand “Die Entgleisung“.

Nicht nur meine Lieblingsgeschichte, auch von einigen meiner Leser. An diesem Text fasziniert das Unvorhergesehene, das unerwartete Geschehen. Eine surrealistische Begebenheit, die die Leser überrascht.

Herzlichen Dank , liebe Doris, für deine Zeit und deine offenen Antworten. Wir sehen uns beim nächsten Treffen der Eulenfeder wieder. 

Und für alle Leser und Leserinnen geht es hier zur Lieblingsgeschichte!

Die Fotos wurden mir von Doris E. Gries einzig zur Illustration dieses Interviews zur Verfügung gestellt. Sie sind privat und unterliegen natürlich dem geltenden Urheberrecht.

Kategorie BeraTina Interview
Autor

berufliches - akademisches - kreatives- biografisches Schreiben Coaching - Texterstellung - Textoptimierung Kurzgeschichten und mehr... "Wolfskind" - Ein Roman nicht nur für Bad Kreuznach "Auch Schmetterlinge können sterben" - mein Liebesroman 2017 "Lesen & Lauschen - Märchenhaftes" - Märchengeschichten für Groß und Klein mit Illustrationen von Nina Decker

14 Kommentare

  1. Was für eine Lieblingsgeschichte! Eine Hauch von Gänsehaut, die Atmosphäre, die da beschrieben wurde und… Doch halt! Lest die Geschichte mit der unerwarteten Wendung von Frau Gries selbst 😉

    • Vielen Dank, liebe Manu, für dein Feedback zur Geschichte. Ich bin mir sicher, Doris wird es lesen. Dir von mir viele Grüße

  2. Eine herrlich verrückte Geschichte, die ja wirklich auch so passieren könnte! Man kann sie sich ganz oft vornehmen und entdeckt immer noch neue Facetten! Beim Lesen entsteht bei mir sofort der Wunsch nach mehr Texten , die in dieser unnachahmlichen Art ausgefallene Begebenheiten beschreiben!! Und ich weiß, es gibt noch welche!!!

    • Liebe Angela, ja, Doris spielt hier wirklich sehr geschickt mit dem Möglichen. Eine sehr atmosphärische Geschichte – vom ersten bis zum letzten Wort. Mal sehen, vielleicht gibt sie ja irgendwann noch eine zweite Geschichte frei. Dir herzliche Grüße und danke, dass du dir die Zeit für dieses schöne Feedback genommen hast.

  3. Danke für die „Entgleisung“. Immer wieder klasse. Ebenso gerne mag ich den „Punkt“. Eine Aufzählung; literarisch ein Leckerbissen und alles wird „auf den Punkt“ gebracht. Super!!!

    • Hallo Silvia, „die Entgleisung“ wird auch für mich nie langweilig, ist immer wieder überraschend, obwohl ich ja nun das Ende wirklich kenne. „Der Punkt“ ist leider ein mehr oder weniger privates Schmankerl aus der „Textküche“ von Doris. Aber dort wie hier bei ihren Antworten und in ihren Geschichten: Ja, sie bringt es immer auf den Punkt! Danke für dein Feedback und herzliche Grüße

  4. Liebe BeraTina,
    danke für das wunderschöne Interview mit Doris. Ich kenne Doris aus Binger Zeiten und wir haben einige Jahre zusammen Kurzgeschichten geschrieben. „Die Entgleisung“ habe ich hier nach längerer Zeit einmal wieder gelesen und die Geschichte hat mich erneut in ihren Bann gezogen. Ich bin ein Fan von Doris einfühlsamen Schreibstil voller Poesie, der meiner Meinung nach ganz besonders in den Kurzgeschichten „Mutters Rosengarten“ und „Komm Bruder, tanz mit mir“ spürbar ist.

    • Herzlich gerne, liebe Inge. 🙂 Ich hatte ja selbst auch sehr viel Freude dabei und damit. Ja, Poesie trifft es gut! Mal sehen, ich kann nichts versprechen, aber vielleicht schenkt uns Doris bei Gelegenheit ja noch eine wunderbaren Geschichten. Dir vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, hier zu schreiben. Viele Grüße Martina

  5. Bach, Markus

    Meine Art für Doris‘ Geschichten und Martinas Interviews zu werben: ein Tweet auf meinem Twitter-Account:

    Euer Autoren-Kollege
    Markus Bach

    Markus Bach
    ‏ @bachsblueten
    31 Sek.Vor 31 Sekunden

    @RZKreuznach @Hanzonline @aznachrichten @KRundschau @AntenneKH Dort, wo die Kanzlerin aufwuchs, hat die Kreuznacher Autorin Doris Elisabeth Gries ihre Wurzeln – in der Uckermark. Was sie prägte und warum sie schreibt, gibt sie im BeraTina-Interview preis: https://beratina.de/autorengespraech-mit-doris-elisabeth-gries/#more-3200

    • Lieber Markus, das ist eine Werbe-Art, die mir durchaus sehr gut gefällt :). Und der lieben Doris ganz bestimmt auch. Herzlichen Dank fürs Weiterzwitschern und viele Grüße an dich.

  6. Ich kenne Doris jetzt schon viele Jahre als liebe Nachbarin und bin immer wieder in den Genuss gekommen, Geschichten von ihr lesen zu dürfen. Sie schreibt wirklich toll und versteht es den Leser wirklich auf eine Phantasie Reise zu entführen, oft mit unerwarteten Ausgängen. Es hat mich sehr gefreut in dem Interview mehr über die Anfänge des Schreibens zu erfahren und das süße Kinderbild zu sehen. Ich hoffe Doris schreibt noch lange mit solcher Begeisterung weiter ihre Geschichten.

    • Danke auch Dir, liebe Esther, für dein Feedback zum Interview und die Freude, die du hier mit allen teilst. Ja, es ist immer fein, wenn man ein bisschen mehr erfahren darf, als das, was eh schon bekannt ist. Herzliche Grüße

  7. Dietmar Weigel

    Ich habe Doris erst vor kurzem kennengelernt, durfte aber schon die ein oder andere Geschichte von ihr hören. Die „Entgleisung“ finde ich ganz wunderbar. Das Geschehen selbst wird ja auf eine sachliche aber gleichzeitig intensive Art beschrieben. Es entsteht ein recht sinnlicher Eindruck. Auch das Zusammenspiel von Spannung, Überraschung und Bestürzung wird gut vermittelt. Die Geschichte lebt aber letztlich von den nicht gesagten Dingen – den starken, geradezu zwanghaften oder auch wahnhaften Beweggründen der Hautfigur, die der Leser oder Zuhörer zwar nur erahnen kann, aber jedenfalls als völlig unverhältnismäßig erlebt. Das prägt sich nachhaltig ein. Freue mich auf weiteres von Doris.

    • Hallo Dietmar, vielen Dank für dein Feedback und dass Du Deine Lese-Eindrücke mit uns teilst. Es ist so wichtig, als Autor(in) zu erfahren, wie der Text beim Leser „ankommt“. Wie sollten wir sonst leserfreundlich und im Interesse des Leser schreiben können? Es wird Weiteres von Doris geben, da bin ich ganz optimistisch. Sie ist Schreiberin mit ganzem Herzen und ganzer Seele. Herzliche Grüße Martina

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