Begegnung mit Trolf

Martina Decker BeraTina

Begegnung mit Trolf

Teil 3 der Hor sT-Geschichten (die Links zu Teil 1+2 am Ende der Geschichte)

»So, jetzt geht es mir schon viel besser.« Horst duftete nach mildem Apfelshampoo und vanilliger Körpercreme. Mähne und Schweif kringelten sich zu unzähligen Löckchen.
»Du hast dir aber reichlich Zeit gelassen«, sagte ich.
»Hätte ich in der Eile meiner Abreise nicht mein Glätteisen vergessen, hätte es noch länger gedauert.« Horst stakste vorsichtig zwischen Schreibtisch und Glasvitrine zu mir an die Couch. »Und? Was machen wir jetzt?«
»Keine Ahnung!« Ich schaltete den Fernseher ein.
»Ernsthaft?« Horst schüttelte den Kopf. »Wir könnten doch was spielen. Hast du Halma?«
Ich starrte ihn an.
»Kein Halma?« Horst schnaubte verwundert. »Mensch ärgere dich nicht? Mau Mau?«
Mein beharrliches Schweigen irritierte ihn.
»Ach komm, irgendein Spiel wirst du doch im Haus haben!« Er sah sich suchend um, schaute dann wieder mich an. Plötzlich wieherte er auf. »Ach, was bin ich doch für ein eseliges Einhorn. Du hast natürlich recht: Wir sollten uns erst einmal ein bisschen kennenlernen, bevor wir was zusammen spielen.«
Sesselhorst BeraTina - Martina DeckerHorst trat rückwärts an den Sessel und nahm umständlich Platz. Das Möbel ächzte bedauernswert unter dem Gewicht. »Ist ein bisschen eng für ein ausgewachsenes Einhorn.« Horst rutschte hin und her und nach vorne und nach hinten – bis sein Gesäß die Sitzfläche bis in den kleinsten Winkel ausfüllte und die Armlehnen sich bedenklich nach außen bogen. »Was willst du wissen?« Auffordernd sah er mich an.
»Alles.«
»Alles? Oh, das könnte länger dauern. Ich hatte schon ein langes Leben, bevor deine Tante Priscilla mich gerettet hat.«
»Gerettet? Vor was?« Der Abend versprach spannend zu werden.

»Vor den Trollen.« Horst dachte kurz nach. »Aber dann muss ich zuvor erzählen, wie das alles angefangen hat. Sonst kommst du da nicht mit.« Er lehnte sich ein wenig zurück, schloss die Augen und schnaufte tief durch. »Ich war noch ein Einhornbaby, da überfielen wilde Trolle unsere Herde. Überall war Lärm und Geschrei. Die Herde stob auseinander. Plötzlich war Mama weg und die Tanten auch. Also verbarg ich mich in einem dichten Busch und wartete darauf, dass sie zurückkommen würden. Es wurde schon dunkel, da hörte ich Schritte im Unterholz. Ehe ich mich versah, lag eine Schlinge um meinem Hals. Ich erschrak fürchterlich, zog und zerrte, aber der Troll war stärker. Er wartete, bis ich keine Kraft mehr hatte, dann führte er mich quer durch den Wald zur Trollsiedlung.«

»Das ist ja schrecklich!«, warf ich ein.
Horst winkte ab. »Ich hatte Glück im Unglück, weil … Aber der Reihe nach. Wir kamen also dahin und die Trollmeute grölte und lärmte, als wir auftauchten. Binnen Sekunden waren wir umringt von diesen pelzigen, stinkenden Wesen.« Horst seufzte laut. »Sie betatschten mich, zogen mich an der Mähne und schauten mir ins Maul – so, als wären wir auf einem Viehmarkt. Aber plötzlich wurden sie ganz still und ließen von mir ab. Die Menge teilte sich und der größte Troll, den ich je gesehen habe, kam auf mich zu. Sein Augen funkelten grün, seine Eckzähne waren lang und sehr spitz.
„Jetzt hat mein letztes Stündlein geschlagen“, dachte ich. Ich schloss die Augen und wollte einfach ein tapferes Einhorn sein, damit meine Mama und all die anderen Einhörner meiner Herde stolz auf mich sein konnten.«
»Wenn du jetzt nicht sofort mit dem Glück-Teil der Geschichte rüberkommst«, meinte ich angespannt, »dann …«

Mein Gesicht war nass von Tränen, mein Herz raste und die Hände schwitzten. Horst grinste. »Du machst mir den ganzen Spannungsbogen kaputt. Aber von mir aus: Ich verzichte auf weitere Details. Der Troll kam also auf mich zu. Ich petzte die Augen ganz fest zu, erwartete seinen Biss in meinen Hals und dann, was soll ich dir sagen?«
»Sags einfach – bitte!«
»Der streckt seine Pranke nach mir aus, tätschelte mir ganz sanft den Hals und ich dachte: »Wie kann man nur so grausam sein. Bitte, mach schnell!«. Da beugte er sich über mein Ohr und flüsterte: »Hab keine Angst, Kleiner. Ich werde dir nichts tun.« Er ließ seinen Blick über die versammelten Trolle gleiten, dann erhob er seine Stimme:

»Ein wahrlich prachtvolles Tier hat Troll Trolliger gefangen. So prachtvoll, dass es mir, eurem König Trolf gefällt, es für meine Gemahlin, die bezaubernde Elfera zu beanspruchen.« Ein Raunen ging durch die Menge, der Trolliger wollte widersprechen, aber ein Blick des Königs genügte und er schwieg. Der König zupfte an meinem Strick und führte mich durch das Spalier böse dreinblickender Trolle. Beim letzten angekommen, wandte sich der König noch einmal an sein Volk: »Mein Dank ist euch gewiss! Zwei Fässer vom  besten Holunderwein lasse ich euch in meiner großen Güte …« Der Rest ging im Gejohle der Meute unter.«

Ich atmete erleichtert auf. »Und was ist dann passiert?«
»Wieder die Kurzform? Er brachte mich in seine Höhle, gab mir Holundersirup und Wasser und holte dann seine Frau, um mich ihr zu schenken.«
»Wie war sie?«
»Elfera? Bezaubernd schön. Keine dieser dicken, schmuddeligen Trollfrauen. Du musst wissen, sie war eine geraubte Elfe.“ Über Horst’s Gesicht legte sich ein seliges Lächeln. „Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Die erzähle ich dir mal wann anders. Für heute muss es reichen, dass du jetzt weißt, wie ich zu den Trollen kam, vor denen mich deine Tante dann in damals noch ferner Zukunft retten konnte.

***

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