Kategorie: Gedichte/Lyrik

Am Meer

Martina Decker BeraTina

 

Am Meer

© Martina Decker (2017)

Da sitze ich

und träume mich

hinaus aufs weite Meer


Gedanken tanzen mit den Wellen


von Eifer Schaum bekront

treiben sie Hand in Hand

gen Horizont
Sie wiegen sanft im Wasser-Grau

vor mattem weiße–Wolken–Himmel-Blau

stellen sich übermütig in den Gegenwind


Ich hör' sie rufen – hör' sie lachen

seh' sie die kühnsten Dinge machen

derweil sie sich entfernen
Und plötzlich sind sie ganz verschwunden!


So weit ich blicke: leeres Wasser-Grau

vor mattem weiße-Wolken-Himmel-Blau

wo Möwen kreischend Beute jagen
Da stehe ich

und wende mich

mit einem Schaudern ab

Muttertag

Muttertag

(c) Martina Decker / 2017

#am 14. Mai ist Muttertag

alles Liebe

# viele attraktive Sträuße  in unserer Filiale

weil Du einfach die Beste bist

#liebevoll dekorierte Muttertagspflanzen - Arrangements

viele Grüße

# Kleines Herzgeschenk

Dankeschön

#Erdbeerherz-Torte

nur für Dich

#exklusive Damendüfte

so kostbar wie Du

#CD-Neuheit Helene F.

weil es dir gefällt

#-Sushi-Herz

dann musst Du mal nicht kochen

 

Der Bücherwurm

Der Bücherwurm

(c) Martina Decker 2017

Ein Frühlingstag – die Sonne schien

am Himmel sah man weiße Wölkchen ziehn

da grub aus einem Kompost sich

ein kleiner Wurm hinaus ans Licht.
Geblendet lag er regungslos -

doch nur für eine kurze Weile.

Sein Hunger, der war ziemlich groß

und trieb den Wurm zur Eile.
Doch wollten ihm die Blätter gar nicht munden,

auch einen Apfel, den verschmähte er;

ein Käsestückchen - dort gefunden,

das stank ihm viel zu sehr.
Probierte – aus Versehen wohl -

auf seinem Weg zum Blumenkohl

dann einen kleinen Fetzen Altpapier.

Ja, das schmeckt mir!“, 

rief er und freute sich 

Das ist genau das Richtige für mich!“
Ein andrer Wurm, der sich grad gütlich tat

an einem faulig braunen Kopfsalat,

sah ihn mit Unverständnis an

und meinte dann:

Du bist kein Wurm, wie wir es sind -

verzieh dich und verschwind'!“
Da mischt' ein dritter, alter Wurm sich ein:

Wie kann man nur so garstig sein? 

Sei still, der Kleine hat sich nur verirrt.

Ich hab von dieser Art schon mal gehört.

Die fressen nur, was irgendwo geschrieben steht

in Zeitung, Büchern, Internet.
Ihr Lebensraum ist eine Leseecke

mit Sessel, Kissen, Kuscheldecke

wo dicht gedrängt ein Buch am andren ist

und Zeit sich selbst vergisst.

Wo Gutes über Böses siegt,

stets der gewinnt, der wahrlich liebt.

Wo Wort an Wort Geschichten schreibt

und wo mit jedem Wort Geschichte bleibt.
Komm schon zum Ende“, unterbricht

der andre Wurm sehr ungehalten,

der ganze Quatsch, der interessiert mich nicht“,

sagt er gelangweilt zu dem Alten.

Es kurz zu machen ist doch gar nicht schwer:

Das fremde Würmchen da gehört einfach nicht her!“
Der Alte schüttelt traurig nur den Kopf

Was bist du für ein Wurmbanause?

Eine armer, dummer Tropf …

Komm, Kleiner schnell – ich bring dich jetzt nach Hause

zur Bücherei am Kirchenplatz

 

Wo hab‘ ich bloss …?

 

Wo hab ich denn …? Wo ist denn bloß …?

(c) Martina Decker

Zuzeiten ist es wie verhext!

Als wären alle bösen Geister los

und hätten sich zum Ziel gesetzt,

dass nichts mehr dort zu finden ist,

wo du es abgelegt zu haben sicher bist.

Wo hab ich denn …? Wo ist denn bloß ...?

Von jetzt auf gleich die Panik groß

die Zeit, sie drängt

und der verflixte Autoschlüssel hängt

mal wieder nicht an seinem Platz!

Natürlich habe ich Ersatz

Nur wo? Ich weiß, es war ein Ort, wo ich mit Sicherheit

ihn finden würde jeder Zeit

ein Trugschluss – wie ich jetzt erkenne

und renne

weil ich nicht finde, was ich finden muss

zur Haltestelle, nehm' den Bus ...

Wo meine Sucherei in neue Spähren steigt:

das Portemonnaie liegt noch Zuhause ...

Wo hab ich denn …? Wo ist denn bloß...?

Momente voller Überdruss.

Täglich diese Agonie:

Brille – nicht im Etui

Handy weg und auch die Lieblingskette

die, die ich so gern getragen hätte.

Werkzeug, Fernbedienung, Ladekabel

ehrlich - es ist formidabel!

Lauter ganz normale Dinge

oftmals nicht der Rede wert …bis ich suchend um sie ringe.

Du wirst alt – werd ich von meinem Kind belehrt!

Mein Gatte – klugerweise - schweigt

während mich Verzweiflung suchend weiter treibt.

Wo hab ich denn …? Wo ist denn bloß...?

Bin suchend, weil ich finden muss.

Es lässt mir einfach keine Ruhe!

Ich kriech' auf allen Vieren durch den Flur,

durchsuche Schränke, schüttel' Schuhe

doch vom Gesuchten keine Spur.

Stattdessen find' ich manches Ding,

das mir bereits vor langer Zeit verloren ging.

Mein Gatte nun sein Schweigen bricht:

Ein Haus verliert die Dinge nicht!

Du hast sie nur gedankenlos

an einen andren Platz gelegt.

Kein böses Hexenwerk, auch keine Zauberei

einfach verräumt, vergessen – Schlamperei.

Ich nicke, denke aber insgeheim,

es könnte auch ein bisschen anders sein:

Diese kleinen Alltagsdinge, 

sie machen sich mit Absicht manchmal fort

und warten an verstecktem Ort,

ein bisschen aufgeregt, dass ich bald um sie ringe.

Ich denke mal, sie wollen niemals ganz verschwinden - 

ein Spiel - es geht dabei ums Wiederfinden.

Und um das Glück, das sie und ich in diesem Augenblick empfinden.

Wo hab ich denn …? Wo ist denn bloß...?

Ich werd' noch vieles suchen,

werd hie und da unflätigst fluchen,

werde in Schränken kramen und in Laden

und mich so oft verzweifelt fragen:

Wo hab ich denn …? Wo ist denn bloß...?

weil meine kleinen Alltagsdinge 

- damit ich um sie ringe -

sich frecherweis' vor mir verstecken

in Nischen und in Ecken

in Dosen, Gläsern, Kartonage,

Gartenschuppen und Garage,

Hundehütte – Kofferraum

unterm alten Birnenbaum,

in Rabatten und im Hasenstall ...

Auch was soll' s, ich such halt überall

überall – an jedem Ort

Darauf gern mein Ehrenwort! 

Schließlich geht es hier ums Wiederfinden

und das Glück, das wir dabei empfinden. 

Auf die Ballade (eine erzählenden Gedichtform) greife ich immer gerne zurück, wenn ich viele kleine Ideen zu einem Thema habe, die aber allesamt nicht für eine längere Geschichte taugen. Oder die ich nicht in der Lage bin, in eine längere Geschichte zu packen :O)

Der Zeitaufwand steht der Erstellung einer Kurzgeschichte allerdings in nichts nach. Ganz im Gegenteil: Für die paar Verse habe ich gefühlte Ewigkeiten gebraucht. Und war am Ende immer noch nicht zufrieden. Aber manchmal geht nicht mehr; ich habe aufgegeben und das genommen und gelesen, was mir so durch die Finger und in die Tastatur geflossen war.

 

Haiku-Herbst-Haiku

Haiku – japanische Kurzverse

3 Zeilen, 5-7-5 Silben – die letzte Zeile hat oft einen jahreszeitlichen Bezug – es geht aber auch ohne. Und es finden sich auch immer wieder Haiku-Verse, die es mit der Silbenzahl nicht so genau nehmen.

Wer Haiku schreiben möchte, sollte auf den Punkt kommen…

denn er muss das Bild/die Geschichte im Kopf in 17 Silben packen…

 

Sturm zieht über Land

heftig rauscht' s im Blätterwald

Sommerliebe friert

oder

Regen in Strömen
 

große Pfützen – Kinderglück

Gummistiefelherbst

 

Verse (c) Martina Decker

 

 

 

Das Leben ist bunt

 

Alle Farben

(c)Martina Decker

Von Schwärze durch die Nacht geleitet

zum frühen Morgennebelland

zur Stunde, da der Tag sein Kommen vorbereitet

und jede Nacht bisher ihr Ende fand

wo sich zu grau vermischen Licht und Finsternis

wo nirgends mehr ein Neubeginn gewiss.
Mit nackten Füßen

über Terracottafliesen

Keramik beige mit Art-Dekor

und braunem Mikrofaser – Kuschelfloor

Tuben, Dosen, kleine Tiegel

bunte Deckel - Glitzersiegel

Morgenmantel – wild kariert

Wohlfühlpuschen ganz mit Glitzerperlen dekoriert
Da dunkles Braun in violette Tasse tropft

löst Nebelland sich auf, kommt aus dem Nichts

ein warmes Gelb auf frisches Blau

und setzt gerupftes Weiß Akzente

auf meinem Teller weißes Brot

wird dick bestrichen himbeerrot
Zitronenfalter flattern durch den Garten

grün - bunter Efeu schmiegt sich eng ans Haus

errötet sanft im Morgenlicht die Schar grüner Tomaten

sieht alles Bunt harmonisch und zufrieden aus.

Gleich hinterm blau gestrichnen Gartenzaun

beginnt ein andrer, wilder Lebenraum
grad eben

ziehen wie an jedem Morgen farbenfroh

Mensch und Blechlawine ebenso

vorbei auf ihrem Weg durchs Alltagsleben
Ich sehe schwarz, erkenne weiß

entdecke pink und papageienbunt

mal scheint es kühl – mal scheint es heiß

mal kränklich – mal gesund

Magenta leuchtet, Orange lacht

ein tiefes Grau mir Kummer macht

dort: Dunkelblau grüßt seriös

dazwischen goldne Stoffe – glamourös

zudem, dass dort mein Blick auch solche find'

die scheinbar gänzlich ohne Farbe sind
Gelb ist das Shirt, die Hose grün

die Lippen rot - so mag ich gehn

Leben ist Farbe - Leben ist bunt

Schwarz ist der Tod - die Erde ist rund!

Hat Ende nicht – hat Anfang nicht

lacht freundlich mir in das Gesicht:

Geh hinaus, das Leben leben

Geh hinaus, um dich mit seinen Farben zu umgeben

Begegne dem Rot - in der Wut, in der Liebe

erkenne, dass Blau dich zufriedener macht

spüre das Gelb ihres Neides – spüre die Hiebe

greif nach dem Gold, wenn die Sonne dir lacht

Grün ist die Hoffnung – grün ist das Leben

Rosa zart bist du ein Kind
Energie lass mit orange dir geben

find Ideale, die purpurfarben sind.

Violett erscheint ein jedes Ding verzaubert - rätselhaft

kräftig lila mancher Traum

Weiß - die Farbe, die dann wieder Klarheit schafft

füllt Licht und Reinheit in den Lebenraum.
Schwarz eingehüllt begegnen dir die Trauer und die Sachlichkeit

gleichwohl die Schatten der Vergangenheit.

Braun tingiert der Boden – Mutter Erde

der Wunsch, dass Stabilität sein werde

Der Glanz von Gold - Symbol der Macht

steht für Erfolg und Lebenskraft

wogegen der das Silber liebt

der gern gediegen seinen Wohlstand zeigt

der meist Intuition den Vorzug gibt

und sich in Erfurcht vor dem Mond verneigt
Der Tag vergeht im bunten Farbenrausch

Crime – Mode – Talk und lockrer Plausch

während sich grau vermischen Licht und Finsternis

ist dieses Tages Ende auch gewiss

da neue Nacht jetzt ihren Anfang nimmt

und alle Farbe gnadenlos verschlingt

dabei ein jeden, der in ihr nun Schlaf und Ruhe findet

durch ihre tiefe Schwärze sanft geleitet...
… hin zum nächsten frühen Morgennebelland

zur Stunde, da der Tag sein Kommen vorbereitet

und jede Nacht bisher ihr Ende fand

wo sich zu grau vermischen Licht und Finsternis

wo nirgends mehr ein bunter Neubeginn gewiss.

 

Sommernächte

Sommernächte

(c) Martina Decker

Tageshitze tropft von Häuserwänden

lauert in den Seitengassen

liegt herum auf Wegen

bannt die Hektik aus dem Leben

*

Sonne senkt sich müde nieder

übergibt die Welt der Nacht

Funkelsterne tummeln sich zuhauf

die Natur seufzet erleichtert auf

*

Lauer Wind bringt leise Lieder

Paare gehen Hand in Hand

Brünnlein fließen – Röcke schwingen

Menschheit widmet sich den schönen Dingen

*

Backroundchor – die Grillen zirpen

Kerzen geben sanftes Licht

Schatten tanzen in den Bäumen

Welt beginnt das Sommerträumen

So weiß

Martina Decker BeraTina Schreiben ist Kommunikation mit eigenen Regeln

so weiß

©Martina Decker
so weiß die Wand

so makellos

daran die Bilder

die ich niemals malte...


so weiß das Blatt

so makellos

darauf die Worte,

die ich niemals schrieb...


so weiß die Karte

makellos

darauf die Reiserouten

die ich niemals ging...


so weiß der Stoff

aus dem die Träume sind

erwartet wohl den Pinselstrich

mit herrlich buntem Farbenschaum

den ich zu führen doch nicht mutig bin


bekam den Regenbogen nicht zu fassen

habe ihn wieder ziehen lassen

die Farben in den Mulden der Palette

zu bunt, als dass ich sie verwendet hätte

die nie geschrieb'nen Worte - zu gefährlich

zu laut, zu böse und zu ehrlich


sie bleiben weiß

die Wand, das Blatt, die Karte

der Stoff, aus dem die Träume sind

sind meine ganz persönliche Jucharte

da alles möglich ist

und alles werden kann

Rache-Engel

BeraTina Martina Decker

:

Rache-Engel

© Martina Decker

Grad eben noch nur eitel Sonnenschein

von Bosheit keine Spur

es konnte gar nicht schöner sein

war Lebensglück und Liebe pur

dann – jäh – ein Stich von messerscharfer Klinge

der gnadenlos das Herz durchstösst

wird Schmerz der Maßstab aller Dinge

ist es der Hass, der seine Fratze nun entblößt

weil: dieser Schmerz wird nimmermehr vergehen

der Freund – entpuppt als liederlicher Feind…

der Schlag war aus den Hinterhalt geschehen

trennte, was eben noch in Liebe und in Freundschaft war geeint

Es nimmt die Rache Stück für Stück Gestalt

wird eine Kreatur voll Hass und Wut

drängt aus der Wunde tiefem Spalt

stetig und mahnend die Enttäuschung rot wie Blut

Nur noch ein Ziel – es heimzuzahlen

mit gleicher Münze – doppelt teuer

Gerechtigkeit gleich gleiche Qualen

es gilt, aus Leid und Schmerz ein großes Höllenfeuer

dem Frevler zu bereiten

das jede Gnade niederbrennt

mag er die Schuld noch so bestreiten

bis Asche ist, was böse war…

im bitter-süßen Happy End!

 

Sommernachtstraum

Martina Decker BeraTina

Sommernachtstraum

© Martina Decker

Kaum, dass der Tag verloren ging
blutrot und noch im Sterben schön
zeigt sich in blasser Dunkelheit
des Himmels schönstes Abendkleid

Verhalten erst, dann wie von Sinnen
erhebt der Chor der Singzikaden
gleich hundertfach die Stimmen
beginnt, sein Nachtkonzert zu starten

Das Meer spielt sich in Wellen auf
sein Rauschen wird Begleitmusik
holt sich im ewigen Gezeitenlauf
verlorenes Terrain zurück

Lauer Wind erhebt sich – säuselt leise
ergänzt auf schöne Weise
mit seinem Lieblingslied
die kleine Nachtmusik

Sternenlichter – grad entzündet
begrüßen funkelnd diese neue Nacht
und dass ein jeder seine Wege findet
hält groß und rund der Mond noch Wacht.

Die Wärme kaum vergangner Sonnenstunden
hält sich im feinen Sand verborgen
mag sich dem Schicksal nicht ergeben
und auch das Morgen noch erleben
wird trotzdem von der kühlen Nacht gefunden
und langsam ausgesogen

Der feine Sand, er atmet auf
verströmt erleichtert letzten heißen Hauch
freut sich am Logenplatz und auch an der Musik
genießt sein Strand-Meer-Sommer-Sonne-Glück

findet die Wellen mit den weißen Kronen wunderschön
und wünscht sich nur , er möge nie verwehn!