Die Sache mit den Ideen

Ideen stehen am Anfang meines Schreibprozesses (und ich wage mal zu unterstellen, anderen Schreibern, Künstlern und Machern im weitesten Sinne geht es ebenso). Es folgen die Worte und häufig eine mühsame Textarbeit zur finalen Formgebung.

Der Wortschatz ist das Werkzeug, Wortwahl und Textarbeit mehr oder weniger  Handwerk, das man erlernen und und im Ergebnis mit eigenem Willen beinflussen kann. Ideen aber sind Freigeister und lassen sich weder mit Technik noch eisernem Willen zwingen. Plötzlich sind sie da! Sind lustig, aktuell oder absurd; sprühen vor guter Laune, wirken kümmerlich oder sind bei näherer Betrachtung gähnend langweilig. Manchmal sind sie ein Meister der Täuschung, der seine wahre Qualität erst nach stundenlangem Nachdenken preisgibt oder verstockte Quälgeister, die sich partout nicht fügen wollen. Andere schwirren feixend im Kopf herum, locken mit der Aussicht auf etwas völlig Neues, lassen sich aber nicht fangen und witschen einem immer wieder durch die Finger.

Kürzlich stellte jemand in munterer Runde schreibversessener Menschen die Aufgabe, der Sache mit den Ideen doch mal auf den Grund zu gehen.  Gar nicht so einfach – so ohne Idee :O) – aber eben auch nicht unmöglich, denn sonst wären die folgenden Verse wohl nicht entstanden.

Die Sache mit der Idee

© Martina Decker

Ob Lyrik oder Prosatext

zuzeiten ist es wie verhext:

Das Thema gut, doch irgendwie –

es fehlt die rechte Strategie.

Ideen schwirren durch den Kopf

es brodelt wie im Suppentopf,

doch stecken sie – um hier im Bild zu bleiben

das es zudem unmöglich macht, sie zu beschreiben –

im nebulösen Kochdunst fest,

was sie konturlos wirken lässt

Ich suche sie zu packen,

die flinken, grauen Schatten,

die sich in meines Kopfes dunklen Ecken

geschickt vor mir verstecken.

Will sie ergreifen und besehen

ihnen auf den Grunde gehen.

Haben sie tatsächlich Potenzial?

Sind sie frisch und gut? Original?

Ich schreibe, streiche, formuliere neu,

hoff‘ auf Weizen, find‘ nur Spreu

bin erbarmungsloser Analyst

merke müde: Alles Mist!

Gleichsam packt mich nun die Wut,

find‘ das Thema nicht mehr gut,

ungehalten muss ich fragen:

Wer hat das bloß vorgeschlagen?

Komme letztlich zu dem Schluss,

der, zudem man einfach kommen muss,

wenn man nicht ganz selbstverliebt

durch die rosarote Brille sieht:

Scheitern ist hier programmiert,

ich hab wirklich alles ausprobiert!

Nein, es geht nicht ohne die Idee,

die, wie ich das seh‘

voll und ganz das Thema treffen muss –

quasi der perfekte Musenkuß –

die bereit ist, sich zu zeigen

und als Basis für das Schreiben

flugs in meine Hände springt,

dass der Text mir wohl gelingt.

Leider sieht‘ s danach nicht aus –

keine Chance – Ich bin raus!

traurig greif ich nach den Bögen

ärgerlich – das Unvermögen…

lese, lache, glaub es nicht:

schwarz auf weiß dort ein Gedicht!

Die Idee mir unbekannt,

schlich wohl heimlich in die Hand

führte meinen Stift – ersann mir Vers und Reim

Kann das wirklich sein?

Grad so wollte ich ihn haben!

Eine Stimme flüstert: „stell‘ jetzt keine Fragen –

freu dich einfach über diesen Text.

Weißt du, manchmal ist es eben wie verhext!“

Kategorie Gedichte/Lyrik
Autor

berufliches - akademisches - kreatives- biografisches Schreiben Coaching - Texterstellung - Textoptimierung Kurzgeschichten und mehr... "Wolfskind" - Ein Roman nicht nur für Bad Kreuznach "Auch Schmetterlinge können sterben" - mein Liebesroman 2017 "Lesen & Lauschen - Märchenhaftes" - Märchengeschichten für Groß und Klein mit Illustrationen von Nina Decker

3 Kommentare

  1. Hallo Martina,
    was du in diesem Gedicht beschreibst, kann ich sehr gut nachempfinden. Mit einer Idee ist es wohl wie mit einem Menschen, mein weiß nicht, worauf man sich einlässt und kann überrascht oder enttäuscht werden. Danke für diese schöne lyrische Anregung!

      • Danke, dass du trotz der“Eile “ Zeit für mein Blog,meine Verse und einen Kommentar gefunden hast. Und ich stimme dir zu: Menschen und Ideen entwickeln sich beide manchmal überraschend 😄

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