Interview mit einer Protagonistin

Martina Decker BeraTina

#Charactersofseptember – Blog-Challenge  für Autoren und Leser

#Charactersofseptember – eine Challenge ausgerufen von der Autorin Gabi Büttner

Auf Twitter, fb und Instagramm treten Protagonisten und Antagonisten aus dem Schatten der Buchseiten ins Rampenlicht – ebenso auf vielen Blogs und Websites.

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Warum? Weil hier vielleicht eine neue Geschichte entsteht. Die kann aber nur gut werden, wenn ich immer mal wieder Feedback erhalte, wo es schon gut klingt, was gefällt  oder wo unbedingt noch nachgebessert werden muss. Gerne auch Anregungen, was unbedingt geschrieben werden sollte oder was Sie/Euch da draußen noch brennend interessiert.

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Da das Interview sich über 30 Tage erstreckt, werde ich die Tagesfrage immer  über den Gesamtbeitrag stellen. So kommen alle, die das hier regelmäßig verfolgen, schnell an die Informationen. Alle Neueinsteiger bitte ich im Text ein bisschen nach unten zu scrollen.

 

12. – 15. September  In welche Gesellschaftsschicht bist du hineingeboren
worden? / Wie groß ist deine Familie? /  Was bedeutet dir Familie?! /  Wer war deine Bezugsperson als Kind? / Welche ist deine glücklichste Kindheitserinnerung? 

„Frau Stollmann, geht es Ihnen wieder besser? Haben Sie sich von Ihrer Erkältung erholt?“

„Danke der Nachfrage. Ja, es geht wieder. Mit Kandiszucker gezogener Rettichsaft – ein Rezept meiner Oma. Hilft immer. Schmeckt allerdings fürchterlich.“

„Oma – ein gutes Stichwort. Erzählen Sie doch mal:  Wie war das bei Ihnen Zuhause?“

„Eng! Und laut. Ich habe fünf Geschwister. Drei nervige Schwestern und zwei Brüder, die es nie geschafft haben, erwachsen zu werden. Klaus-Dieter wohnt immer noch bei unseren Eltern. Mit 44 Jahren! Das muss man sich mal vorstellen. Lässt sich bekochen und kriegt die Wäsche gemacht. Wahrscheinlich ist er auch noch Jungfrau – kann mich nicht erinnern, dass er jemals eine Freundin gehabt hätte.“ [Sie macht eine abfällige Handbewegung] „Egal, und Heinz-Josef, mein jüngerer Bruder und genau das Gegenteil, hat  ganz früh seine Sandkastenliebe Rosi geheiratet. Jetzt er hat er fünf Kinder  und schafft sich jeden Tag fast kaputt, um sie satt zu bekommen und das Studium von dem Großen bezahlen zu können. “

„Und Ihre Schwestern?“

[Sie zuckt mit den Schultern] „Keine Ahnung. Wir haben schon seit Jahren kaum Kontakt. Ich bin zu anders. [sie lacht] .“ Kittelschürze und Kinderspielplatz sind nicht so mein Ding.“

„Das glaube ich gerne. Übrigens sehen Sie heute wieder wie aus dem Ei gepellt aus. Und sehe ich das richtig? Der Nagellack hat den gleichen Farbton wie Ihr Kleid?“

„Gut auszusehen bedeutet auch, die Details nicht aus den Augen zu verlieren. Also: Ja, Sie sehen richtig. Möchten Sie noch etwas wissen?“

„Ich möchte noch ganz viel über Sie erfahren, Frau Stollmann. Tatsächlich werden mir viele Details Ihrer Persönlichkeit erst jetzt, während dieses Interviews, bewusst. Und dabei dachte ich, alles Wesentliche über Sie zu wissen.“

„Dann sollten Sie langsam mal wieder auf den Punkt kommen, Frau Decker.“

„Ok, Entschuldigung. Ich hatte das Bedürfnis, mich ein wenig zu erklären. Also zurück zu Ihrer Kinder- und Jugendzeit. Gibt es etwas, an das Sie sich sehr gerne erinnern?“

„An Oma! Ihr Apfelkuchen war ein Traum, ihre Medizin bitter, aber wirkungsvoll und ihre Geschichten , die sie abends vor dem Zubettgehen erzählte, standen denen aus 1001 Nacht in nichts nach. Ihre Hände waren rau von der vielen Arbeit und ihr Herz war riesengroß. Sie hat oft auf uns aufgepasst, wenn die Eltern auf Arbeit waren. Unser Vater war meist mit dem LKW unterwegs. Und Mutter hatte drei Putzstellen. Irgendwo musste das Geld ja herkommen.“

„Klingt, als wären Sie nicht gerade im Luxus aufgewachsen.“

„Stimmt. Aber ich habe früh gewusst, dass ich es einmal besser haben werde. Und wie man sieht, ist mir das ja auch ganz gut gelungen. Ich habe einen gut bezahlten Job, war schon an vielen Orten dieser Welt und kann mir auch mal ein teures Kleid leisten.“

Fortsetzung folgt ….

Ab hier von Anfang an und  chronologisch: 

1.September – Vorstellung

Und so freue ich mich, Ihnen und Euch heute Frau Sonja Stollmann vorstellen zu dürfen.

Sie ist die beste Freundin von Julia Baker, der die Hauptrolle in „Auch Schmetterlinge können sterben“ zugefallen war. Sonja ist eine attraktive Frau, die sich gekonnt in Szene zu setzen weiß. Über ihr Alter schweigt sie beharrlich. Sicher ist nur, dass die Zwanzig wohl weiter weg als die Vierzig ihr nahe ist.

Wir haben uns im Vorfeld des Interviews darauf geeinigt, ein wenig professionelle Distanz zu wahren. Ein vertrauliches Du soll es vorerst nicht geben. Frau Stollmann bestand darauf, da sie mit einigen meiner  Ausführungen in dem Roman nicht einverstanden ist.

2.September – „Bist du ein positiver oder negativer Mensch?“

„Frau Stollmann, herzlichen Dank, dass Sie diesem Interview zugestimmt haben.“

„Keine Ursache. Es schien mir eine gute Gelegenheit, vielleicht das ein oder andere missverständliche Wort, dass Sie als Autorin des Romans über mich geschrieben haben, ins rechte Licht zu rücken.“

„Missverständlich? Aber in Ordnung, ich denke, darauf werden wir zu einem späteren Zeitpunkt noch zurückkommen. Dann zur ersten Frage: Frau Stollmann, sind Sie eher ein positiver oder ein negativer Mensch?“ [mich trifft ein vernichtender Blick]

„Das ist eine selten dämliche Frage. Ist die von Ihnen? Würde mich zumindest nicht überraschen.“ [Sie verzieht den Mund zu einem spöttischen Lächeln] „Aber gut, niemand wünscht sich mehr als ich, dass das hier gut über die Bühne geht. Um also die Frage zu beantworten: Ich bin ein durch und durch positiv denkender Mensch. Negative Gedanken machen Falten und einen schlechten Teint. Ich helfe gerne, wo ich gebraucht werde, und ich war die beste Freundin von Julia, die sie je hatte. Ist das positiv genug?“

“ Wenn ich ehrlich bin, …. ach, egal. Aber irgendwie hatte ich Sie mir, das muss ich jetzt leider mal einfügen,  anders vorgestellt – also charakterlich. Da war mehr Empathie im Spiel – mehr „Opfer der Umstände“ oder so … Ich muss mich gehörig verschrieben haben oder es ist zwischenzeitlich etwas passiert, dass ich nicht beeinflussen konnte.“

[sie schüttelt genervt den Kopf] „Ich kann leider nichts für ihre eingeschränkte Fantasie oder imaginäre Einflüsse. [sie nimmt einen Lippenstift auch ihrer Handtasche und zieht in aller Ruhe die Lippen nach.] „War es das für heute?“ [ Als wäre ich gar nicht mehr anwesend, betrachtet sie sich prüfend im Taschenspiel, zupft ein paar Haarsträhnen zurecht. Dann erhebt sie sich und geht.]

„Auf Wiedersehen, Frau Stollmann!“  Ob Sie wohl morgen trotzdem zum zweiten Teil des vereinbarten Interviews erscheinen wird? Denn dann wird die Frage lauten: Frau Stollmann, was bringt Sie zum Lachen?“

3.September – Was bringt dich zum Lachen?

„Guten Morgen, Frau Stollmann. Ich …“

„Ja, ich weiß. Sie freuen sich. Und wahrscheinlich hatten Sie auch eine nicht so gute Nacht, oder? Bestimmt haben Sie gerätselt, ob ich überhaupt noch einmal kommen werde, stimmt es?“

„Ein kleines bisschen schon. Ihr Abgang gestern war doch sehr spontan und vor allem grußlos.“

„Tut mir leid – es war nicht mein bester Tag. Ich gelobe Besserung.“ [sie wirbt mit einem bezaubernden Lächeln um mein Verständnis. Wäre ich ein Mann, ich wäre sofort dahingeschmolzen]

„Entschuldigung angenommen. Dann also zur heutigen Frage. Frau Stollmann, was bringt Sie zum Lachen?“

[sie lacht glockenhell] „Solche Fragen zum Beispiel. Nein, aber mal im Ernst: Ich lache gerne. Ich habe da so einen Lieblingswitz. Soll ich …?“

„Ja, warum nicht. Schenken Sie mir und den Lesern ein Lachen an diesem halbsonnigen Sonntagmorgen.“

„Aber gerne …“ [ihr Blick liegt einen langen Augenblick auf den perfekt manikürten Fingernägeln] „Also …

Eine Frau sitz in einer Bar und gönnt sich einen Cocktail. Plötzlich betritt ein gut und extrem sexy aussehender junger Mann die Bar. Sie kann nicht anders. Sie muss ihn wieder und wieder ansehen. Der junge Mann bemerkt das schließlich und geht zu ihr hin. Bevor sie etwas sagen kann, flüstert er ihr ins Ohr: Ich mache alles! Es kostet dich nur 20 Euro. Sie: Wirklich alles? Er: Ja! Alles für 20 Euro. Du musst es mir nur sagen –  in drei Worten!“ Sie überlegt, dann zieht sie entschlossen einen 20-Euro-Schein aus der Geldbörse. Sie legt ihn ganz langsam in seine Hand, schaut ihm dabei tief in die Augen. Ihre Zunge benetzt die Lippen und zärtlich legt sich ihre freie Hand auf seinen Oberschenkel.  Und dann flüstert sie ihm ins Ohr: „Putz mein Haus!“

[Frau Stollmann lacht] „Ist der herrlich?“ [ihr Lachen geht in ein Gluckern und dann in ein breites Grinsen über] „Sonst noch Fragen?“

„Nein, für heute nicht. Wir sehen uns dann morgen.“

4.- 6.September – Wie siehst du dich selbst? / Wie wirst du von anderen gesehen? / Was sind dein stärkster und schwächster Charakterzug?

„Hallo! Da sind wir wieder. Die letzten Tage waren etwas turbulent und wie das manchmal so ist, kam mir das Leben dazwischen. Und das Leben hat immer Vorrang!  Stimmen Sie mir da zu, Frau Stollmann?“

„Aber selbstverständlich. Es war eh so, dass mein Flug von Spanien hierher überbucht war. Ein Upgrade war nicht zu bekommen und von daher konnte ich dank Ihrem vorrangigen Leben zwei wunderbare Tage in Madrid verbringen.“

„Ist Ihnen gut bekommen. Sie wirken sehr entspannt und ausgeglichen. Da kommen wir doch gleich zur Frage vom 04.September: Wie sehen Sie sich selbst?“

„Kompetent, attraktiv und alles andere als doof. Allerdings ist es manchmal durchaus von Vorteil, letzteres nicht in den Vordergrund zu stellen. Ansonsten bin ich zielstrebig, freundlich und immer da, wenn man mich braucht.“

„Wären Sie überrascht, wenn ich behaupten würden, sie liegen mit Ihrer Selbsteinschätzung weit daneben?“

[Augenblicklich strafft sich ihre Haltung] „Allerdings!“ [Sie lächelt, aber es wirkt ein bisschen verunsichert]. „Vielleicht eine Neiderin. Frauen können ja so biestig sein …“

„Sie glauben, auf Frauen wirken Sie …. anders?“

„Frauen mögen keine Frauen, denen die Männer nichts abschlagen können. Nur, weil die meisten sich nicht trauen, ihre Vorzüge auch zu unterstreichen, halten sie Frauen wie mich … ach, lassen wir das. Es würde nur uns beiden die gute Laune nach diesen wunderbaren freien Tagen vermiesen.“

„In Ordnung. Dann die letzte Frage für heute: Was ist ihr stärkster, was Ihr schwächster Charakterzug.“

„Ich bin zielstrebig – in allen Belangen. Wenn ich etwas haben will, bekomme ich das in der Regel auch. Und Schwächen? Männer vielleicht. Und schicke Kleider. Beides könnte einmal mal Ruin sein.“

„Das heißt, Sie sind immer noch Single? Und auf dem Konto herrscht Ebbe?“

„Ja, ich bin Single. Das immer noch  – vor allem in der Betonung – ist allerdings mehr als unangebracht. Der Richtige ist mir einfach noch nicht begegnet. Und für Designerkleider verdienen die meisten Menschen nicht genug Geld!“

7. – 10. September – Wie reagierst du auf Lob / Kritik? / Wovor hast du am meisten Angst? /  Was magst du an deinem Körper besonders? Und was gar nicht? /Hast du ein Geheimnis, von dem niemand weiß?

„Einen wunderbaren Sonntagmorgen wünsche ich. Wenn ich das so sagen darf, Sie sehen heute ein bisschen „mitgenommen“ aus, Frau Stollmann. War die Nacht zu kurz?“

„Erstens verbitte ich mir diesen Ton und zweitens gehen Sie meine Nächte seit dem Abschluss des Romanprojektes doch wohl gar nichts mehr an.“

„Jetzt seien Sie doch nicht gleich beleidigt. Ich habe lediglich besorgt nachgefragt.“ [ok, vielleicht nicht ganz wertfrei – schließlich kenne ich die Frau – ich habe sie schließlich erschrieben. Sie ist meine Protagonistin].

„Es klang für mich nicht nach Besorgnis. Eher nach Neid. Sie waren vermutlich um acht im Bett und haben, in ihren Frotteepyjama gekuschelt, eine Doku geschaut? Mit dem Plüschbären auf dem Kissen? Ja, als Autorin führt man ein einsames Leben, stimmt es Frau Decker?“ [Es macht ihr sichtlich Freude, ein bisschen Gift zu verspritzen. Aber ich habe sie wohl auch ein wenig verunsichert. Ihr Blick geht zur Fensterscheibe, prüft das Spiegelbild.]

„Haben sie Angst davor, manchmal nicht so perfekt so sein, wie Sie das gerne wären?“

„Zumindest arbeite ich stetig daran, perfekt zu sein. Heutzutage kann man sich Unperfektion [was ein Wort!] nicht leisten. Nicht, wenn man Erfolg haben will.“ [Sie streicht mit den Händen das Kleid ein wenig nach unten] „Ich habe viel Blut und Schweiß gelassen, um diesen fast perfekten Körper zu formen.“

„Gibt es trotzdem etwas, das Sie nicht daran mögen?“

„Mein Füße!“ Es kommt wie aus der Pistole geschossen? „Mein Füße sind zu groß.“

[Ich muss grinsen und bevor ich darüber nachdenke, entgegne ich: “ Also ein Frau, die auf großem Fuß lebt – ich finde, das passt ins Bild.“

[Ihr Blick tötet mich – zumindest versucht er es] „Themenwechsel!“ [Ihr Ton unterbindet jede weitere Bemerkung. Ich nicke ergeben. ] „Welches Geheimnis trägst du mit dir herum, Sonja? Was weiß nicht einmal ich von dir? Was habe ich damals übersehen, als ich dich erschrieb?“ [Warum bin ich plötzlich per Du? Wird sie es bemerken?]

Sonja senkt einen Moment den Kopf. Verlegen kaut sie auf der Unterlippe. Meine Anspannung wächst. Meine Neugierde auch. Trotzdem: Ich will sie nicht drängen. Also warte ich. Zwei Minuten Stille – unendlich lange zwei Minuten. Langsam hebt sie den Kopf, sieht mich von unten heraus an. Ihr Blick geht mitten ins Herz. Sie war meine Fantasie. Was werde ich jetzt erfahren?

„Ich war einmal verheiratet!“

 

 

 

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