Nebelland – Herbstballade

Nebelland - Herbsballade von Martina Decker auf BeraTina

Nebelland

© Martina Decker


Das Nebelland – verborgen hinterm Wald

Liobas Neugier ist geweckt

Erfährt dann die Geschichte, die so alt

Und was dahinter steckt.

Ein Land – verlor’n in einem Fluch

Ganz ohne Farben und den Sonnenschein

Es war der Nebelhexe Zauberspruch

Die Menschen fielen auf sie rein.


Sie kam als alte Frau in ihre Mitte

Man gab ihr Trank und Speise

auch einen Platz für ihre Hütte

sie dachten, diese Frau wär’ weise.


Die Menschen baten sie um Rat bei Streit

Sie waren völlig ahnungslos

dass sie es war, die brachte Zank und Neid

und so der böse Kreis sich schloss.

Hexenkessel BEraTina Martina Decker Herbstgedicht Nebelland-Ballade
Foto Pixabay

Die Hexe stellte ihren Kessel auf

und heizte kräftig ein

Das Schicksal nahm nun seinen Lauf

Ein dichter Nebel hüllte alles ein


Verschlang Konturen und die Farben

Man sah die Hand vor Augen nicht

Die Menschen ängstlich darben

In milchig weißem Licht


Oh Alte hilf!“, erging die Klage

Sag uns, wo ist der rechte Weg?

Die Hexe lachte: „Hört, was ich euch sage,

damit es euch in Zukunft gut ergeht.


Seht her, das helle Grau macht alles gleich

Das bunte Durcheinander ist jetzt fort

Willkommen Euch im Nebelreich

Missgunst und Neid sind weit an andrem Ort.“

Ballade Nebelland Lichtland by Martina Decker auf BeraTina
Foto privat

Nur wenige, die konnten fliehen

Erzählten von der Gräueltat

Über den Bäumen sah man Nebelschwaden ziehen

Und schnell beschloss der Rat


Dass Lichtland alle Brücken bricht

Kein Boot darf mehr den Fluss befahren

Sich abzugrenzen, sei die erste Pflicht

Die helle bunte Pracht galt’s zu bewahren.


Im Nebel dort, im Lichte hier

seit mehr als hundert Jahren

Wem’s besser geht, das werden wir

vermutlich nie erfahren.

Versform Ballade

Diese Gedichtform ist erzählend. Man nennt sie deshalb auch gerne Erzählgedichte. Oft sind es Geschichten aus dem Bereich der Mythologie oder der Sagen. 

Eine Ballade vereint

  • lyrische Elemente –  Strophen, Verse, Reime, Metrum
  • dramatische Elemente – lebendig geschrieben, Dialoge sind möglich
  • epische Elemente – Ereignis(se) werden spannend erzählt; streben ggf. einem Höhepunkt zu und enden vielleicht in einer überraschenden Wendung.

Nebelland

Die Nebelland-Ballade ist ganz sicher einer meiner Lieblingstexte. Zum einen hat sie – und das sage ich eher selten über meine Texte – (für mich) keinen Optimierungsbedarf mehr. So, wie sie ist, ist sie gut!

Ich mag die Geschichte, die Form und die Aussage. Ich mag aber auch den Interpretations-Spielraum, den sie bietet.

Sie ist hier zum ersten Mal veröffentlicht – obwohl ich sie bereits vor längerer Zeit geschrieben habe. Die Gründe dafür sind zweierlei: Erstens wollte ich mir sicher sein, dass ich nichts mehr ändern möchte. Und zweitens hatte ich immer mal die stille Hoffnung, es ergäbe sich damit die Kooperation mit einem Schulbuchverlag oder ähnlichem.  

Nun ist klar: Ändern möchte ich nichts und das mit Schulbuchverlag kann ja auch immer noch klappen, oder? Von daher: Hinaus mit Nebelland in die Welt und schauen, wohin der Weg führen wird. 

4 Kommentare

  1. Liebe Martina, schon als Kind liebte ich das Lesen von Balladen. Sie erzählen Geschichten und lassen immer noch Platz für die eigene Phantasie. Deine Nebelland – Ballade gefällt mir absolut gut, der Titel ist wunderbar … schon nach den ersten Worten bin ich drin und schwebe durch dieses Land. Ich freue mich nun durch das Abbonieren deines Blogs regelmäßig überrascht zu werden. Danke für diese tolle Ballade.
    Liebe Grüße von Biggi Hopp

    • Liebe Biggi, ich danke dir für diese schöne Rückmeldung. Ich werde mich nach Kräften bemühen, dich ein ums andere Mal zu wieder mit einem schönen Vers zu überraschen. Viele Grüße von mir an dich.

  2. Christine Lindner

    Liebe Martina, ich bin sehr beeindruckt von der Botschaft – zumindest der, die bei mir ankommt. Und das ist ja ganz individuell und persönlich. Danke, dass du Platz dafür lässt. Mir sagt deine Ballade einmal mehr: Pass auf, wem du vertraust und wenn sich etwas nicht klärt, sondern im Nebel bleib, gehe auf die Seite, die für dich hell ist.
    Danke, dass du mich ein Stück mitnimmst in mein persönliches Nebelland, so dass ich ganz klar sagen kann: Ich möchte dort nicht sein.
    Herzliche Grüsse, Christine Lindner

    • Liebe Christine, das ist eine wunderbare Interpretation der Ballade. Herzlichen Dank dafür, dass sie mit mir und den Lesern teilst. Und ja, ich lebe auch lieber im Lichtland 🙂 Herzliche Grüße

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