perfekt?gut?gut genug?

Müssen wir perfekt sein? Und auch perfekt schreiben?

Kürzlich wurde in einer illustren Talkrunde der aktuelle OPTIMIERUNGSWAHN diskutiert und je nach Standpunkt gepriesen oder verteufelt. Die Argumente in der besagten Diskussionsrunde waren auf beiden Seiten mal nachvollziehbar, mal extrem, mal einfach nur blabla.

Wie alle anderen Zuschauer war ich am Ende gehalten, das Gehörte zu verarbeiten und mir meine eigene Meinung zu bilden bzw. meine bereits vorhandene Meinung ggf. in dem ein oder anderen Punkt zu überdenken.

Grundsätzlich ist an Optimierung nichts Verkehrtes – meine Meinung – Optimierung bedeutet ja auch Entwicklung.

Das Beste aus was auch immer heraus zu holen – warum also nicht? Problematisch wird das erst, wenn die Messlatte zu hoch angesetzt ist- bei (über)großem Ehrgeiz, weil sich die persönlichen Vorstellungen an Extremen orientieren  oder weil das Diktat äußerer Einflüsse dominiert.

PERFEKT – ein Zustand, den es gar nicht gibt

Denn es wird sich immer etwas finden, das man oder jemand ändern könnte oder möchte- meine Meinung. Und wäre perfekt nicht auch langweilig? So ganz ohne Ecken und Kanten? Was wäre ein Kriminalroman mit dem perfekten Verbrechen? Langweile pur! Denn es gäbe keine spannende Täterjagd und der Leser hätte null Hoffnung, dass das Gute am Ende siegen wird.

GUT – oder auch sehr gut – ein mehr als zufriedenstellender Zustand

wie ich meine. Wenn alles sehr gut oder gut ist, gibt es Spielraum für mehr, aber man muss ihn nicht um jeden Preis nutzen. Man kann sich durchaus mal zurücklehnen und sagen: „Es ist gut! Gerade jetzt – in diesem Moment … vielleicht denke ich morgen anders, aber jetzt ist es gut!“

Es ist dann einfach (sehr) GUT und damit GUT GENUG …

für den Moment – für den Zweck – für sich selbst. Und damit ist nicht dieses abfällige „gut genug“ gemeint, das gerne herangezogen wird, wenn einem eine Sache nicht wirklich wichtig ist. Das Ergebnis erfüllt  im Großen und Ganzen die Vorgaben, Bedürfnisse, Erwartungen.

Bei GUT GENUG halten sich Aufwand und Möglichkeiten die Waage, herrscht Zufriedenheit bei allen Beteiligten.

Das ist auch bei der Texterstellung eine meiner Meinung nach OPTIMALE Strategie. Ziel ist für mich immer ein nahezu perfekter Text.

Was gerade perfekt ist, bestimmen die Eckdaten rund um den Text: Wer soll ihn lesen? Was will ich zum Ausdruck bringen? Genre?

Wenn sich dann während des Schreibens herausstellt, dass mir an irgendeiner Stelle eine perfekte Formulierung partout nicht gelingen will, gebe ich ohne Gewissensbisse der zweitbesten Variante nach. Die unendliche Suche würde den Aufwand Zeitaufwand, Nervenaufwand, mehr Frust, Schreibunlust etc. über Gebühr erhöhen – meist ohne entscheidenden Einfluss auf den gesamten Text. Der Text ist dann aber immer noch GUT GENUG!

Ähnlich arbeite ich übrigens auch in der Schreibberatung.

Es geht nicht um DAS perfekte Schreiben oder DIE perfekte Textarbeit, DEN perfekten Text. Es geht darum, dass der Schreibende seine Stärken und Schwächen innerhalb der Textproduktion erkennt, mit ihnen arbeiten lernt und seine Potenziale ausschöpft.

Aufwand und Möglichkeiten in Waage mit dem Ergebnis TEXT, der rundherum GUT GENUG ist –  für ihn und seine ganz persönlichen Ziele, derentwegen geschrieben wurde.

Viele Grüße BeraTina

 

 

 

 

 

Kategorie Überarbeiten
Autor

berufliches – akademisches – kreatives- biografisches Schreiben
Coaching – Texterstellung – Textoptimierung
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