Sprechen und Sprache

Landessprache ist Spanisch, Gastgeber ein englisch / deutsches Freundepaar. Er spricht ausschließlich Englisch, sie Englisch, Portugiesisch, Spanisch und noch ein paar andere Sprachen – teils souverän, teils einfach nur die Basics. Beide haben oft Gäste aus aller Herren Länder im Haus, meist junge Leute, die eine Zeit lang bleiben und immer da mit anpacken, wo gerade Hilfe gebraucht wird.

Zurück genau von dort aus einem kurzen Urlaub geht es mir heute mal nicht primär um das Schreiben sondern um das Sprechen.

Sprechen hat gegenüber der Schriftsprache den Vorteil, dass Grammatikfehler oder falsche Zeitformen keinen dramatischen Einfluss auf den Verlauf oder den Inhalt des Gesprächs nehmen.

Schlimmstenfalls guckt der Gesprächspartner irritiert – weil man vielleicht wood statt forest gesagt hat – und wird dann nachfragen oder sich seinen Teil denken. „Das ist aber doch peinlich“, meint der ein oder andere jetzt? Nein, ist es nicht! Klar, der Perfektionist würde natürlich gerne alles richtig machen. Da ihm aber die Sprechroutine fehlt, hat er nur zwei Möglichkeiten: unperfekt oder schweigen.

Meine Sprechroutine Englisch ist gering – es gibt zu wenige Gelegenheiten. Ich habe also auch erst einmal geschwiegen und zugehört – weil man ja bekanntlich über das Zuhören jede Menge lernen kann: Redewendungen, Sprachmelodie, neue Wörter …

Wenn ich etwas sagen wollte, dauerte es Ewigkeiten, bis  es im Kopf formuliert war. Dann war die Antwort endlich fertig/perfekt sozusagen ;O) , das Gespräch aber leider schon drei Ecken weiter. Schneller war die Methode  Ich-bitte-sie-zu-übersetzen: „Sag ihm doch mal, dass…“ . Das hatte den Vorteil, dass ich hörte und lernte, wie das, was ich sagen wollte, korrekt in Englisch zu formulieren ist und dass ich dem Gespräch nicht hinterher gelaufen bin.

Leider immer noch keine Sprechroutine :O(((

Nur, oft war da grad keiner, der übersetzen konnte/wollte… und da steht man dann zu zweit auf der Terrasse und weiß nicht, was und wie man es sagen soll.  Von daher: Trau dich, Traudel! Wer kommunizieren will, muss sprechen – zur Not mit Händen und Füßen.  Die Resonanz war gut: Ich wurde (meistens) verstanden! Die Sätze waren vielleicht simpel und nicht immer korrekt, aber egal.

Und irgendwann musste ich auch nicht mehr bei jedem Satz erst mein Übersetzungsprogramm im Kopf starten. Die Worte kamen quasi (halb)automatisch.

Bleibt noch zu erwähnen, dass auch mein Spanisch durchaus von den paar Tagen Urlaub profitiert hat. Ich konnte Werbeschilder lesen und ihre Botschaft verstehen, ich verstand, wenn die Verkäuferin mich fragte, ob ich Hilfe brauche. Ich konnte mir einen Kaffee kaufen und ein Brot. Ich verstand den Tankwart, der mir sagte, was ich zu bezahlen habe.  In ganzen Sätzen sprechen geht noch nicht, weil ich viel zu lange überlege, was ich sagen will. Gespräche führen geht noch nicht, weil ich viel zu lange brauche, bis ich „übersetzt“ habe, was zu mir gesagt wurde.

ABER: Meine Motivation, hier weiter zu lernen, ist gewachsen. Und kleine Erfolge sind auch Erfolge, die durchaus mal einen Schulterklopfer wert sein sollten.

AUßERDEM: Da ich immer mal wieder auch L2-Schreibende betreue – also Schüler, Studenten …, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sind diese Selbst- und Lernerfahrungen spannend und wichtig und Basis für eine verständnisvolle Zusammenarbeit.

Fazit (und nun bin ich doch noch irgendwie beim Schreiben angekommen ;o) :Wer eine Sprache lernen will, sollte jede Möglichkeit nutzen, sie auch zu sprechen und in den Alltag einzubauen. Ich führe beispielsweise ein Tagebuch in Spanisch.  Anfangs ging das natürlich nur mit Wörterbuch. Wenn mir heute die Vokabeln fehlen oder ich keine Lust auf Suchen habe, schreibe ich  ein Mischmasch aus Deutsch und Spanisch.

 

 

 

 

 

 

Kategorie Lernen
Autor

berufliches – akademisches – kreatives- biografisches Schreiben
Coaching – Texterstellung – Textoptimierung
Kurzgeschichten und mehr…
„Wolfskind“ – Ein Roman nicht nur für Bad Kreuznach
„Auch Schmetterlinge können sterben“ – mein Liebesroman 2017
„Lesen & Lauschen – Märchenhaftes“ – Märchengeschichten für Groß und Klein mit Illustrationen von Nina Decker