Text-Bilder gestalten

Martina Decker BeraTina

Geschichten sind mit Worten gemalte Bilder – zumindest stelle ich mir das so vor. Das Visualisieren einzelner Szenen – gedanklich, manchmal auch wirklich als gemaltes Bild oder Skizze – bringt mich oft dem Kern der zu beschreibenden Textpassage näher.

Meine Reaktion, ein dunkles Bild nicht unbedingt mit Lebensfreude zu  assoziieren – selbst dann nicht, wenn darauf lachende, feiernde Menschen dargestellt wären -, versuche ich beim Schreiben einfließen zu lassen. So entstehen Text-Bilder, die Kraft der Worte, der Wortwahl oder des Satzbaus mehr oder weniger „farbig“ werden.

Denn auch, wenn das persönliche Empfinden bei jedem anders ist, gibt es eine gewisse Allgemeingültigkeit bei der Verwendung und Deutung von Farben:

Hell = fröhlich, dunkel – traurig, rot – aggressiv/wütend etc….

An den Beispielen  „fröhlich“ und „traurig“ dargestellt bedeutet das für mich:

In einem mit fröhlichen assoziierten Bild dominieren die hellen, freundlichen Farben. Der Pinselstrich hat Schwung, die Linienführung ist leicht und „locker“.

Auf ein mit Worten gemaltes fröhliches Bild übertragen: Der  Text hat viele „bunte“ Worte – helle Vokale dominieren und aktive Verben machen die Geschichte lebhaft. Das Geschehen tänzelt und hüpft durch den Satzbau – schweift mal hier hin und mal dort hin (aber bitte nicht zu weit ;O).

Ein trauriges Bild ist meist in gedeckten, oft sogar dunklen Farbtönen gehalten. Scharfe Konturen bilden Enge ab, der Pinselstrich wirkt schwer und angestrengt. Ein trauriger Text braucht ebenso eine dunklere Wortfarbe. Unbetonte Silben, dunkle Vokale. Die Verben tendieren zur Passivität und der Textfluss ist zäh.

In ähnlicher Weise lässt sich textlich auch Dynamik erzeugen…mit einer zügigen Abfolge von Geschehnissen –  kurze Sätze erhöhen das (Lese)Tempo. Schnelle, aktive Verben unterstreichen das Tun des Protagonisten.

Oder Schwere… langatmige Schilderungen, lange Sätze, langsame, passive Verben.

(und ja, es gibt auch unzählige Texte, da funktioniert es anders – weil Kunst ein Freigeist ist, weil die Leserschaft es so mag, weil …)

 

Das sind kleine „Tricks“, die durchaus beitragen können, der angezielten Leserschaft genau das nahe zu bringen, was man als Autor ausdrücken möchte.

Vieles davon machen Schreibende ganz unbewusst sowieso, weil das eigene Gefühl beim Schreiben es so aufgibt.

Spätestens bei der Überarbeitung seines Textes hat man mit diesen kleinen „Tricks“ aber noch einmal bewusst die Möglichkeit, den Text in seiner Wirkung zu intensivieren – damit der Leser nicht nur liest, sondern  mit weint, mit lacht, mit dem Protagonisten wütend ist oder mit fröhlich ist , mit hüpft oder sich mit durchs Leben schleppt.

Kategorie Schreibberatung
Autor

berufliches - akademisches - kreatives- biografisches Schreiben Coaching - Texterstellung - Textoptimierung Kurzgeschichten und mehr... "Wolfskind" - Ein Roman nicht nur für Bad Kreuznach "Auch Schmetterlinge können sterben" - mein Liebesroman 2017 "Lesen & Lauschen - Märchenhaftes" - Märchengeschichten für Groß und Klein mit Illustrationen von Nina Decker