BeraTina Interview

Tusch und Trommelwirbel für Lebensfreude

Biggi Hopp ERzähltheater im BeraTina Interview

Künstlername BIGGI HOPP

Vielseitige Malerin – Märchen-Erfinderin und -Erzählerin – Erzähltheater
Real-Name: Birgit Kraneiß – Hopp

Ich bin über Facebook – wo sonst? – über sie „gestolpert“. 
Hoppla, Märchen!“, dachte ich beim ersten virtuellen Treffen und bot ihr beherzt meine Märchen an, weil ich so dachte: Eine Kooperation mit einer echten Märchenerzählerin würde mir durchaus gut gefallen.
Danke, sehr nett, aber ich schreibe meine eigenen Märchen!“, hat sie mir freundlich geantwortet. So freundlich, dass bei mir kein Raum für Enttäuschung blieb.

Eine Kooperation ist es also nicht geworden, aber wir stehen seither im Kontakt – „verfolgen“ uns gegenseitig und schauen, was die andere grad so macht.
Als ich das erste Mal auf ihrer Website (Link am Ende des Beitrags) war, da war mein erster Gedanke: „BIGGI HOPP! Der Name ist Programm!“ Fühlbar übermütig und munter hüpfend geht es da gut gelaunt und farbenfroh durch das Text-Programm. Und BeraTina Interview mit Birgit Kraneiß-Hopp alias BIGGI Hopp Erzähltheaterganz egal, welches Foto – immer ist da ein Lachen, mindestens aber ein Lächeln auf Birgits Gesicht.

Und weil ja immer das besonders spannend ist, was man an sich selbst (zumindest ein bisschen) vermisst, habe ich Birgit kürzlich zum Interview gebeten.  

 

 

Liebe Birgit, vielen Dank, dass du heute hier auf BeraTina bist.

Lebensfreude und Inspiration für alle“ – so beschreibst du auf deiner Website dein Erzähltheater. Vielleicht zu Anfang: Was ist Erzähltheater?  Gibt es dafür vielleicht eine jahrhundertealte Tradition? Welche Wurzeln hat das Erzähltheater, was „will“ es und wie machst du das?

Vor ca. 10 Jahren habe ich die erste Figur erschaffen, den Werner.  Dann kamen ruckzuck die nächsten: Trude, das kleine Sonntagsglück, die Tränenprinzessin, Der kleine Murks und plötzlich war mein großes Wohnatelier voller Figuren. Beim Herstellen spielte ich schon mit ihnen Geschichten und Märchen.  Ich schaute sie an und es ging los. Sie lebten!

Bis dahin hatte ich schon Lesungen mit meinen Märchengeschichten veranstaltet, aber irgendwie wurde alles lebendiger und freier bewegter mit den Figuren. Ich suchte nach einer Bezeichnung, die für alles ein Dach darstellen sollte und „erfand“ für mich das Erzähltheater. Damals wusste ich nicht, dass es das Wort schon gab.
Erzähltheater ist für mich ein weites Land, in dem ich umherwandere und meine Geschichten und Märchen erzähle. Mal in Verkleidung, mit Requisiten und Figuren oder mit Bildern; mal mit einem kleinen Koffertheater oder, und das am allerliebsten ohne „Beiwerk“, pur vor dem Publikum stehen und erzählen – mit jeder Faser meines Körpers und aus jedem Winkel meiner Gefühls-  und Phantasiewelt.

SchBeraTina Interview mit Biggi Hopp vom ERzähltheater der Bunte Vogelon als Kind habe ich auf dem Teppich mit Fusseln und Hausschuhen Geschichten erfunden. Die Phantasie ist ein wertvoller Schatz, der den Menschen heute immer mehr abhanden kommt. Das ist so traurig! Deshalb gibt es auch mehr Unzufriedenheit.
Ich will anregen mit meiner Phantasie und Lebensfreude.  Es macht so viel Spaß, die Menschen, ob groß oder klein, kurzweilig in meine Welten zu entführen und sie fröhlich oder staunend zu stimmen für Augen und Ohren. Das freie Erzählen ist dabei meine größte Freude. Ich weiß nicht, wo diese Gabe herkommt, sie ist einfach da und ich freue mich jeden Tag neu darüber. Ich glaube, Menschen wie ich können sich in alles hineinfühlen und mitfühlen, als wären sie voll und ganz dabei oder die Person selbst, von der gerade erzählt wird. Es macht wirklich Spaß, sich dem Erzählen voll und ganz hinzugeben. Auch, wenn ich für das nächste Jahr mein Erzählen mit Bildern und Illustrationen verbinden werde …

Hochsensibel und hochempathisch, dazu Synästhetikerin.
Ich stelle mir das – zumindest zeitweise – ziemlich anstrengend vor. Ist da das Erzähltheater ein Ventil für dich? Und magst du vielleicht sagen, welche deiner Sinne auf eher ungewöhnliche Weise zusammenwirken und wie sich das zeigt?

Wie sich das zeigt, kann ich selber gar nicht sagen …ich nehme Dinge wahr, die andere nicht beachten und packe da unbewusst viel Gefühl dazu und kindliches Staunen …
Und anstrengend? Für mich? Nein … eher vielleicht manchmal für mein näheres Umfeld, meinem Mann 😉 der mich erlebt 
Ventil? Ich glaube, ich habe kein Ventil, ich bin das Ventil selber, das manchmal ungehalten und geladen durch die Gegend schießt mit zahlreichen Ideen. Alle und  alles können ein Riesenchaos sein, wenn man versucht, mit Nachdruck alle Talente gleichzeitig perfekt bedienen zu wollen.

Zum Glück habe ich schon lange erkannt, dass mir Werte wie Ordnung, Struktur und Klarheit super wichtig sind, weil sie mir ein sicheres Gerüst und Halt geben.
Die Synästhesie ist eine freudvolle Erkenntnis, ein Geschenk von irgendwoher … Zahlen, Worte sind bei mir auch Farben … Töne und Klänge sind bei mir auch Körper bzw. Materialien.  Ich kann mir dadurch vieles merken, in meiner Lyrik findet man einige Beispiele …
Zur „kleinen“ Katastrophe  kann es werden, wenn mein Mann und ich in einer Unterhaltung durch meine intuitive Wortwahl in Missverständnisse rutschen …
Und die Empathie in so hohem Maße ist leider manchmal eine Behinderung in meinem Alltag. Warum ich so eine große Portion davon abbekommen habe, weiß ich nicht, ich kann sekundenschnell zusammenbrechen, wenn ich Leid an Mensch oder Tier sehe, die Bilder können mich jahrelang verfolgen, ehe sie verblassen …
Aber für meine Kunst und dem Erzähltheater ist es wunderbar, emphatisch zu sein, ebenso und überhaupt im direkten Umgang mit Menschen.

Nicht jeder hat den Mut, das so offen zu schreiben. Ich denke, die Wahrscheinlichkeit, belächelt zu werden, ist groß. Nichtsdestotrotz erwähnst du gleichwohl selbstbewusst: Und vielbegabt bin ich auch!

Das Selbstbewusstsein, zu meiner Vielbegabung zu stehen, habe ich mir in hartem Textilmalerei von Birgit Kraneiß-Hopp im BeraTina-Interviewschmerzlichem Kampf erarbeitet.  Wow, wie das klingt, aber es ist so. Und erst seit einiger Zeit spreche ich es auch aus. Und das fühlt sich richtig gut an.
Belächelt? NEIN!! Bewundert!!! Wahrscheinlich, weil die Qualen, die Vielbegabte haben, solange sie im eigenen Wirbel kreiseln, nicht nach außen dringen.

Manche Vielbegabte schämen sich sogar dafür – das ging auch mir so – , weil sie so viele Talente haben, vieles können. Schämen!  Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, was für eine Traurigkeit! Dabei ist es doch ein Wunder, ein Zauber, eine Pracht viele Talente und Begabungen zu haben. Die Wichtigkeit ist die, und das ist mein Tipp: Jeder muss sich sein eigenes starkes Gerüst erschaffen, ein Dach und ein Nest. Dazwischen soll er lustvoll mit seinen Projekten herumflattern und sich niemals bremsen lassen.

Für einen Vielbegabten ist Struktur und Klarheit in seinem Umfeld das Wichtigste … also jedenfalls für mich 🙂

Ich kenne, weil ich mich kürzlich ein bisschen damit beschäftigt habe, die erste Reaktion vieler Menschen darauf:  „Ach ja, das sind die, die alles ein bisschen können, aber nichts richtig! Oder die alles anfangen, aber nicht lange durchhalten oder es zum Ende bringen.“ Ist es bei dir – wie bei vielen Vielbegabten: Sobald du eine Sache begriffen oder im Griff hast, langweilt sie dich? Und dann suchst du neue Herausforderungen? Wenn ja, ist das nicht ziemlich anstrengend – immer suchend zu sein?

Es ist der absolute Wahnsinn, wenn ich mir das vorstelle. Und ich schaue jetzt nicht auf mich, denn für mich ist es total normal. Wenn ich aber auf einen Menschen schaue und sehe, dass er zig Talente hat und auch mit all seinen Talenten etwas macht, gerade im künstlerischen kreativen Bereich, also … das ist der Wahnsinn, das ist toll!  Das ist ein Potential, ein richtiger Platz, eine Kraft – eine Bombe voller Können!!!
Ich bin 53 und wenn ich zurückblicke: ich habe exklusive feinste Porzallanmalerei in Meißen gelernt, riesige Wände in Kirchen restauriert und mamoriert, vergoldet ,Lyrik, Fotografie, Malerei, Tanz … Das ist ein reichhaltiges Programm, was ich bis jetzt auf die Erde gebracht habe. Aber warum ich dafür keinen Goldregen von Frau Holle bekommen habe bis jetzt, habe ich erst vor einiger Zeit begriffen.
Ich wusste nicht, dass es dafür einen Namen gibt; dass es mehr von dieser Art Menschen gibt; dass ich nicht allein so bin. Dass es viele gibt,  die vieles können und neugierig und wisBIGGI HOPP Wandmalerei Kinderzimmer vorgestellt im BEraTina-Interviewsbegierig immer weitergehen.

Ich bin irgendwann und plötzlich vor Freude explodiert und sanft gelandet. Nachdem jemand zu mir sagte. „ Na, du bist auch so eine tolle Ideenheldin.“ Ich habe in diesem Moment begriffen, dass es ein Schatz ist, den ich da in mir trage, diese vielen Talente. Ich brauche mich nicht mehr schämen dafür, dass ich nicht nur eins kann, sondern alles in meiner Kunst vereine. Ich glaube, es gibt sehr unterschiedliche Phasen im Leben eines Vieltalentierten. Und irgendwann kommt man an einen Punkt, da muss man sich entscheiden: Chaos oder das totale Gegenteil.
Kurz noch: Es ist ein Irrtum, ein Vielbegabter sei ein Suchender. Er ist das ganze Gegenteil. Er ist ein Magnet für Inspirationen, die überall wimmeln, in jeder Sekunde und  an jedem Ort.

Eine weniger quirlige, nicht minder positive Seite habe ich in deinem Blog-Artikel „Liebe Frau in der wunderbaren Lebensmitte – von mir zu dir und mir“ entdeckt. Ein Mutmacher für Frauen, die mit sich, ihrem Wert und ihrer Zukunft hadern. Was hat dich bewegt, diesen Artikel zu schreiben?

Erstens kommt alles aus mir heraus und ist auch ein Stückchen von mir, und zweitens zieht mich vieles an, was ich bei anderen Frauen ringsherum sehe und erlebe; womit ich mich wohl bewusst oder unbewusst zumindest eine zeitlang befasse und spüre, wie es Frauen in ähnlichen Lebensphasen geht … auch gerade bei Grübeleien um ihren eigenen subjektiven Wert, den sie sich beimessen aus verschieden Gründen. Oder die Verschiebung von Lebensinhalten oder unweigerlich auftretende Veränderung durch das frauliche Älterwerden …
Ich finde es traurig, zu sehen, wie einige ganz schwermütig damit hadern und sogar stocken … Und dazu passen meine Gedanken und Gefühle, dachte ich mir spontan und kam auf die Idee, es in Briefform zu stecken … es gibt ja sooo viele Ratgeber zu dem Thema Lebensmitte von Frauen, die mich gruseln lassen … und dies hier sind eben meine Gedanken dazu.

Was steht an für das kommende Jahr?
Gibt es noch etwas, auf das hier unbedingt hingewiesen werden sollte?

Jaaa, dass meine künstlerische Seite sich dieses Jahr so richtig in Bildern und Illustrationen austoben darf! ich male und zeichne und illustriere in Großformat für mein Bildertheater eines meiner Märchen.

Ein Hinweis ist also: Erzähltheater mit Bildern, das wird wirklich märchenhaft schön für große und kleine Leute. Das Bildertheater baue ich selbst  und verziere es lustvoll.
Dazu mein Jahresprojekt „Jeden Tag einen komischen Vogel von BGGI HOPP“, das eine Wahnsinnssammlung mit kleinen Geschichten und Gedichten ergeben wird – im Jahr darauf.

Liebe Birgit, ich danke dir von ganzem Herzen für deine Offenheit beim Beantworten meiner Fragen.

 

Wer sich selbst ein Bild von Birgit Kraneiß-Hopp  / BIGGI HOPP machen möchte:

Birgits Website  Termine,  Bilder, Texten, Inspiration und ganz viel gute Laune!

oder  BIGGI HOPP auf Facebook

oder Birgit auf YouTube

Alle Fotos wurden mir freundlicherweise für diesen Beitrag von Birgit zur Verfügung gestellt. Eine Nutzung oder das Kopieren sind nicht erlaubt!

 

 

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