Um jeden Preis?

Martina Decker - BeraTina

Da ist mir doch gerade das Angebot des Jahres – vielleicht sogar das meines Lebens – ins Haus geflattert:

Für nur ca. 2.000 Euro kann ich Verlagsautorin werden.

Wenn mein Manuskript die Prüfung besteht!
Ein Blick in den Online-Shop des Anbieters verrät mir, dass mein Buch – geschätzte 200 Seiten, ich bin noch nicht fertig: O) – etwa 23 Euro im Verkauf kosten würde.

Also, wenn ich überlege, was ich und meine Zielgruppe für Schuhe ausgeben …
Denkt der Anbieter auch! Und erläutert auch nett und freundlich und autorenorientiert, dass alles, was gut ist, eben auch gutes Geld kosten sollte.
Ich bin beeindruckt – eine mutige Aussage in Zeiten von geilem Geiz und Schnäppchen an allen Ecken. Wobei ich dem im Prinzip zustimme. Oma hat schon immer gesagt: „Was nichts kostet, ist auch nichts!“
Leider finde ich nichts über Mindestabnahmemengen für mich als Autorin.
Aber ich kann ja mal träumen und mir vorstellen, ich bräuchte keine Mindestabnahme. Dann würde ich nur mal 10 Bücher abnehmen – vorerst.
Ich bekomme bestimmt einen Autorenrabatt von 10% – dann kostet das Buch schon nur noch –  23 – 2,30 = –  20,70 Euro im Einkauf. (Ist nur ein Beispiel – wie gesagt, ich kenne die Rabattvereinbarungen nicht.)
Dazu kommt dann aber vermutlich wieder das Porto für mein Bücherpaket: Standard 5,99 Euro – das sind pro Buch ca. 60 Cent.Jetzt kostet mein Buch mich also 21,30 Euro.

Wenn ich das verkaufen würde bei einer Lesung, hätte ich pro Buch 1,70 Euro Gewinn gemacht.    :O)))).
Um die in mein Buch investierten 2.000 Euro wieder rauszuholen, müsste ich also – 2000:1,70= – nur 1176,47 Bücher verkaufen.
Vielleicht auch ein paar weniger sein, denn ich gehe davon aus, dass über den Shop auch noch Bücher verkauft werden. Und bekanntlich gibt es für solche Verkäufe dann ja den Autorenlohn – die Tantiemen.

Die 1176,47 Bücher muss ich halt erst mal kaufen/besorgen, um sie bei einer Lesung verkaufen zu können: Das sind – gerne über mehrere Monate verteilt – 24.353 Euro (hier bewege ich mich jetzt im Circa-Bereich, denn die Portokosten sind eine Variable je nach Häufigkeit und Größe der Nachbestellungen, ebenso die Verkäufe seitens des Verlags oder Buchhandlungen. Überhaupt ist Rechnen eh nicht so mein Ding).

Dabei fällt mir jetzt aber ein: Wenn ich schon gewillt wäre, 2.000 Euro auf den Tisch zu legen, warum wollen die dann überhaupt noch mein Manuskript prüfen? Glauben die vielleicht gar nicht wirklich, dass ich schreiben kann?
Also, wenn ich diese besagten 2.000 Euro …, dann mache ich das ja schließlich, weil ich weiß, dass meine Geschichte gut ist und absolut markttauglich.

Schade, schade, schade …. Ich werde mich wohl doch gegen dieses Angebot entscheiden.
Tante Else und Onkel August wollen meine neuesten Bücher sowieso immer lieber als Weihnachtsgeschenk (kein Verdienst), meine Freundinnen gehen viel lieber Schuhe kaufen und eigentlich habe ich auch gar keine 24.000 Euro irgendwo rumliegen. Und ob ich jemals 1176,47 Menschen kennenlernen werde, die mein Buch kaufen wollen … Da bin ich mir jetzt auch nicht mehr so sicher.
Echt schade…; O)

Tut mir leid – auf mein neues Buch muss noch etwas gewartet werden.

Viele Grüße Eure BeraTina

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