Weltgeschichtentag 2018

Kurzgeschichte zum Thema Hinter dem Mond von Martina Decker alias BeraTina

Hinterm Mond ist es auch ganz schön

(c)  Martina Decker

»Hast du dir das auch wirklich gut überlegt?« Eine Mischung aus Stolz über den Mut seines Sohnes und Angst vor dem, was alles passieren konnte, lag in dem väterlichen Blick.

»Seit ich klein bin, hege ich diesen Traum«, entgegnete der Junge mit aller Überzeugung. »Ich muss es einfach tun! Verstehst du?«

Der Vater nickte. Er war kaum älter gewesen, als er seine Heimat und die Familie hinter sich gelassen hatte und losgezogen war, das Abenteuer zu suchen, das man Leben nennt.

»Es ist so schrecklich weit weg! Und du weißt kaum etwas von dem, das dich dort erwarten wird«, schluchzte die Mutter. Bis eben hatte sie nur schweigend dabei gestanden und die Hand ihres Sohnes fest in der Ihren gehalten. War versunken gewesen in die eigenen, sorgenvollen Gedanken.

In ihrem Inneren tobte seit Wochen – seit sie von seinen Plänen erfahren hatte – ein Kampf zweier Seelen:

Die eine wollte ihren Sohn nicht gehen lassen, so sehr fürchtete sie, es könne ihm ein Unheil geschehen, vor dem nur sie ihn hätte schützen können.

Die andere würde ihn ziehen lassen – wohlwissend, dass jede mütterliche Fürsorge ihre Grenzen hatte und der Junge längst in der Lage war, sich selbst zu schützen.

»Warum denn gleich bis zum Mond? Hätte es nicht erst einmal eine Reise zum Asteroiden Allumi getan? Dort soll es auch sehr schön sein und …« Sie stockte. »Wir wären in kürzester Zeit bei dir, falls …«

Der Junge nahm sie in den Arm.

»Du hast mich gelehrt, mich nicht zu fürchten vor dem Unbekannten, sondern es für mich zu entdecken. Neugierde sei eine Gabe, hast du gesagt und dass alle Erfahrungen – gute wie schlechte – mich reifen lassen.« Er strich ihr sanft die Tränen aus dem Gesicht. »Ich liebe dich bis zum Mond und wieder zurück! – Erinnerst du dich?«

»Ich habe es dir jeden Abend ins Ohr geflüstert, als du klein warst.«

Der Junge nickte. »Und wenn du auf Zehenspitzen hinausgeschlichen warst, weil du dachtest, ich sei eingeschlafen, bin ich manches Mal wieder aus dem Bett geklettert und habe aus dem Fenster gesehen. Schaute den Mond an und nahm mir vor, eines Tages dort hinzufliegen.«

»Du warst ein Kind …«

»Und jetzt bin ich es nicht mehr. Aber der Wunsch ist geblieben. Jetzt ist es an der Zeit, dass ich ihn mir erfülle. »

Der Junge lenkte ihren Blick auf das Geschehen hinter dem großen Panoramafenster. »Siehst du das Shuttle dort hinten – ganz am Ende der Start – Area? Ein 2099 – das modernste Reisemittel unserer Zeit. Ausgestattet mit der besten Sicherheitssoftware und einem hyper-elektronischen Routenverfolgungssystem. 125 Lichtjahre in einer Sternenstunde.« Er lächelte ihr aufmunternd zu. »Reisen war nie schneller und sicherer. Sei also ganz unbesorgt: Früher, als du denkst, und unversehrt werde ich wieder zurück sein von meiner ersten großen Reise.«

»Alle Passagiere des Shuttle-Fluges Machina – Mond über Uranus, Jupiter und Mars werden gebeten, sich am Flugsteig sieben einzufinden. Ich wiederhole: Alle Passagiere des ….«

»Es ist Zeit …« Eilig umarmte der Junge die Eltern. »Ich melde mich. Haltet den Holo – Empfänger bereit. Sobald ich da bin, schicke ich euch eine Nachricht

»Wir lieben dich …«

» … bis zum Mond und wieder zurück«, ergänzte er. »Ich euch auch!«

Ein letztes Winken, dann tauchte er in der großen Menge der Reisenden unter.

Die Eltern sahen ihm schweigend nach. »Er ist wie du!«, sagte die Mutter schließlich.

»Dann steht seine nächste Reise ja schon in den Sternen«, erwiderte der Vater.

Sie sah ihn fragend an.

»Na ja, hinterm Mond ist es auch sehr schön …«

 

Zur Info: Die Geschichte entstand Ende 2017 als „Hausaufgabe“ zu den monatlichen Treffen der Autorengruppe Eulenfeder, Bad Kreuznach. „Hinterm Mond ist es auch sehr schön“ war vorgegeben und jeder gehalten, etwas daraus zu machen. 

Mehr kurze Geschichten gibt es auf dem Blog

Das ist das  Kinderbuch „Bis zum Mond und wieder zurück“.

Das Foto im Titel ist privat und unterliegt – wie immer und grundsätzlich – dem gesetzlichen Urheberrecht. 

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Claudia
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Also da will ich auch mal hin. Hinter den Mond. Wenn’s da auch ganz schön sein soll, ist das eine Reise wert!
Deine Reise in die Sterne hab ich gerade sehr gerne gelesen. Ich liebe das Universum und alle seine Geschöpfe darin – und manchmal, wenn ich beginne zu träumen, dann komm ich bis zum Mars und zurück 😉