Wo hab‘ ich bloss …?

 

Wo hab ich denn …? Wo ist denn bloß …?

(c) Martina Decker

Zuzeiten ist es wie verhext!

Als wären alle bösen Geister los

und hätten sich zum Ziel gesetzt,

dass nichts mehr dort zu finden ist,

wo du es abgelegt zu haben sicher bist.

Wo hab ich denn …? Wo ist denn bloß ...?

Von jetzt auf gleich die Panik groß

die Zeit, sie drängt

und der verflixte Autoschlüssel hängt

mal wieder nicht an seinem Platz!

Natürlich habe ich Ersatz

Nur wo? Ich weiß, es war ein Ort, wo ich mit Sicherheit

ihn finden würde jeder Zeit

ein Trugschluss – wie ich jetzt erkenne

und renne

weil ich nicht finde, was ich finden muss

zur Haltestelle, nehm' den Bus ...

Wo meine Sucherei in neue Spähren steigt:

das Portemonnaie liegt noch Zuhause ...

Wo hab ich denn …? Wo ist denn bloß...?

Momente voller Überdruss.

Täglich diese Agonie:

Brille – nicht im Etui

Handy weg und auch die Lieblingskette

die, die ich so gern getragen hätte.

Werkzeug, Fernbedienung, Ladekabel

ehrlich - es ist formidabel!

Lauter ganz normale Dinge

oftmals nicht der Rede wert …bis ich suchend um sie ringe.

Du wirst alt – werd ich von meinem Kind belehrt!

Mein Gatte – klugerweise - schweigt

während mich Verzweiflung suchend weiter treibt.

Wo hab ich denn …? Wo ist denn bloß...?

Bin suchend, weil ich finden muss.

Es lässt mir einfach keine Ruhe!

Ich kriech' auf allen Vieren durch den Flur,

durchsuche Schränke, schüttel' Schuhe

doch vom Gesuchten keine Spur.

Stattdessen find' ich manches Ding,

das mir bereits vor langer Zeit verloren ging.

Mein Gatte nun sein Schweigen bricht:

Ein Haus verliert die Dinge nicht!

Du hast sie nur gedankenlos

an einen andren Platz gelegt.

Kein böses Hexenwerk, auch keine Zauberei

einfach verräumt, vergessen – Schlamperei.

Ich nicke, denke aber insgeheim,

es könnte auch ein bisschen anders sein:

Diese kleinen Alltagsdinge, 

sie machen sich mit Absicht manchmal fort

und warten an verstecktem Ort,

ein bisschen aufgeregt, dass ich bald um sie ringe.

Ich denke mal, sie wollen niemals ganz verschwinden - 

ein Spiel - es geht dabei ums Wiederfinden.

Und um das Glück, das sie und ich in diesem Augenblick empfinden.

Wo hab ich denn …? Wo ist denn bloß...?

Ich werd' noch vieles suchen,

werd hie und da unflätigst fluchen,

werde in Schränken kramen und in Laden

und mich so oft verzweifelt fragen:

Wo hab ich denn …? Wo ist denn bloß...?

weil meine kleinen Alltagsdinge 

- damit ich um sie ringe -

sich frecherweis' vor mir verstecken

in Nischen und in Ecken

in Dosen, Gläsern, Kartonage,

Gartenschuppen und Garage,

Hundehütte – Kofferraum

unterm alten Birnenbaum,

in Rabatten und im Hasenstall ...

Auch was soll' s, ich such halt überall

überall – an jedem Ort

Darauf gern mein Ehrenwort! 

Schließlich geht es hier ums Wiederfinden

und das Glück, das wir dabei empfinden. 

Auf die Ballade (eine erzählenden Gedichtform) greife ich immer gerne zurück, wenn ich viele kleine Ideen zu einem Thema habe, die aber allesamt nicht für eine längere Geschichte taugen. Oder die ich nicht in der Lage bin, in eine längere Geschichte zu packen :O)

Der Zeitaufwand steht der Erstellung einer Kurzgeschichte allerdings in nichts nach. Ganz im Gegenteil: Für die paar Verse habe ich gefühlte Ewigkeiten gebraucht. Und war am Ende immer noch nicht zufrieden. Aber manchmal geht nicht mehr; ich habe aufgegeben und das genommen und gelesen, was mir so durch die Finger und in die Tastatur geflossen war.